News

Simone Laudehr im Gespräch

Keine Angst vor dem Neuanfang 

Auch dank der Unterst√ľtzung des VDV-Bildungspartners IFI (Internationales Fu√üball Institut) gelang Weltmeisterin Simone Laudehr beim √úbergang von der aktiven in die nachfu√üballerische Karriere eine sanfte Landung. Im Interview mit WIR PROFIS erkl√§rt sie, welche H√ľrden sie dennoch zu nehmen hatte und warum eine sorgf√§ltige Karriereplanung gerade f√ľr Spielerinnen nicht immer einfach ist.¬†

WIR PROFIS: Simone, dein √úbergang von der Profilaufbahn zur Karriere danach wirkt wie aus dem Bilderbuch: Parallele Berufsvorbereitung beim FC Bayern, abgeschlossenes Hochschulzertifikat und nun der Job bei Electronic Arts. Lief alles so reibungslos wie es aussieht oder gab es H√ľrden?¬†

Simone Laudehr: R√ľckblickend kann man schon sagen, dass das alles sehr reibungslos lief. Aber nat√ľrlich kommen die Jobs nicht einfach auf dich zugeflogen, man muss sich schon selbst darum k√ľmmern. Klar ist es nicht so einfach, dass sich das Leben mit dem Ende der Profikarriere komplett ver√§ndert. Die sportliche Laufbahn ist f√ľr uns Profisportlerinnen ja auch irgendwo der H√∂hepunkt des Lebens, der dann quasi schon ‚Äěausgelebt‚Äú ist. Dann stellen sich die Fragen: Was will ich √ľberhaupt machen und was f√ľr Ziele habe ich noch? Diese Fragen zu beantworten, kann schwierig sein. W√§hrend meiner Karriere hatte ich aber bereits studiert und Erfahrungen in den Bereichen Marketing, Sponsoring und Event sammeln k√∂nnen. Daran konnte ich bei meiner ersten Stelle im FC Bayern Museum direkt ankn√ľpfen, au√üerdem war dieser Job ja auch thematisch und r√§umlich nicht weit weg von meiner Rolle als Bayern-Spielerin.¬†

WIR PROFIS: Wie wichtig war ein schneller und guter Übergang in die Berufswelt aus finanzieller Sicht? 

Simone Laudehr: Ich habe w√§hrend der aktiven Zeit viel investiert und R√ľcklagen gebildet, wirklich kritisch war es also nicht. Auch andere Spielerinnen werden etwas auf der hohen Kante haben. Aber gerade wir Spielerinnen haben halt nicht unbedingt Millionen verdient und sollten deswegen einen klaren Plan haben.¬†

WIR PROFIS: Auch deshalb bist du direkt in die Vollzeitbeschäftigung gestartet? 

Simone Laudehr: Genau ‚Äď zun√§chst f√ľr ein Jahr im ‚ÄěFC Bayern Museum‚Äú, anschlie√üend bekam ich ein Angebot von EA (Electronic Arts), was ich auch sofort angenommen habe. Hier habe ich ein super Umfeld und kann mich beim Thema Daten- und Videoanalyse voll reinh√§ngen!¬†

WIR PROFIS: Mit dem Ende der Profilaufbahn √§ndert sich auch der komplette Alltag: Trainingseinheiten und das Highlight am Wochenende ‚Äď oft vor gro√üem Publikum ‚Äď fallen weg. Was macht das mental mit einem Profisportler?¬†

Simone Laudehr: Ich hatte ehrlich gesagt gar keine Zeit, in der ich in ein Loch h√§tte fallen k√∂nnen. Drei Wochen Urlaub und dann ging‚Äôs auch schon los. Aber es ist nat√ľrlich schon eine gro√üe Umstellung: Tags√ľber neun Stunden vor dem Laptop zu sitzen und dann noch abends die Energie f√ľr Sport und andere Aktivit√§ten zu haben, fand ich enorm schwierig. Vorher waren Sport und Arbeit besser verkn√ľpft, die Umstellung fiel mir definitiv nicht leicht. Mit der heutigen Erfahrung w√ľrde ich aber vielleicht empfehlen, eine etwas l√§ngere Pause zu machen als ich; alles erst einmal zu reflektieren, vielleicht sogar halbtags anzufangen und dann langsam in die Vollzeit zu gehen.¬†

WIR PROFIS: Aus der VDV-Bildungstendenzstudie wissen wir, dass ungef√§hr die H√§lfte der Profis weder √ľber abrufbare berufliche Qualifikationen verf√ľgt noch dabei ist, diese zu erwerben. Warum denken so viele Profis nicht an morgen?¬†

Simone Laudehr: Tja, gute Frage. Nat√ľrlich gibt es viele Unternehmen, die ein Ma√ü an Erfahrung wollen, das wir w√§hrend unserer Profikarriere einfach nicht im selben Ma√üe sammeln k√∂nnen, wie andere Arbeitnehmer in der Branche. Profi sein und nebenher noch Arbeitspraxis sammeln, ist schon enorm fordernd. Zumal es bei uns in der Liga auch Spielerinnen gab, die gezwungen waren, nebenbei zu arbeiten, um √ľberhaupt √ľber die Runden zu kommen. W√§hrend der aktiven Zeit in Ruhe zu studieren, ist ein Privileg, das fast nur Nationalspielerinnen haben, weil sie genug verdienen. Nicht jede Spielerin hat diese M√∂glichkeit.¬†

Ich kann aber trotzdem nur empfehlen, sich, so gut es irgendwie geht, mit der Karriere danach auseinanderzusetzen. Vielleicht haben viele Angst davor, wieder von Null anzufangen. Das muss aber gar nicht sein: Viele Unternehmen sind an Sportlern interessiert, auch wenn diese noch keine gro√üe Berufserfahrung vorweisen k√∂nnen. Schlie√ülich bringen Profisportler ein gewisses Portfolio von Erfahrungen mit, die es so auf dem Arbeitsmarkt nicht oft gibt. Auch wenn es um R√ľckschl√§ge und Krisenmanagement geht, sind Sportler und Sportlerinnen mit ihrer mentalen Einstellung sicherlich nicht schlecht geeignet.

WIR PROFIS: Experten wie die VDV oder das IFI helfen Profis dabei, rechtzeitig einen Plan f√ľr die Zeit nach der Karriere zu entwickeln. Wann hast du als Spielerin realisiert: Das hier wird nicht ewig dauern ‚Äď ich muss mich auf die Zeit nach der aktiven Karriere vorbereiten?¬†

Simone Laudehr: Ich habe mich am Anfang auch erst einmal voll und ganz auf Fu√üball konzentriert, nachdem ich den Sprung geschafft hatte. 2015 habe ich dann ein Sportmarketing-Studium begonnen, habe das aber schon eher ruhig angehen lassen. Wenn du in der Nationalmannschaft bist und bei der Weltmeisterschaft spielst, kannst du dich nicht parallel noch auf Uni-Pr√ľfungen vorbereiten. Da brauche ich meinen Fokus zu 100 %. Das hatte ich aber einkalkuliert und mein Studium deshalb bewusst fr√ľh begonnen, um es w√§hrend meiner Profikarriere noch etwas strecken zu k√∂nnen. Und damit bin ich sehr gut gefahren. Ich habe meine Abschl√ľsse gemacht ‚Äď darunter auch das IFI-Zertifikat ‚ÄěSpielanalyst im professionellen Fu√üball (CAS)‚Äú ‚Äď und bin dann ins Berufsleben gestartet.¬†

WIR PROFIS: Du warst Welt- und Europameisterin, Olympiasiegerin, Deutsche Meisterin, Pokalsiegerin und Champions-League-Siegerin. Wie motivierst du dich tagtäglich in deinem neuen Job bei EA, wo Erfolg nicht in Titeln oder Punkten gemessen wird? 

Simone Laudehr: Bei EA geht es f√ľr mich ‚Äď √§hnlich wie beim Fu√üball ‚Äď um einen guten Teamgeist. In meiner Position ist es wichtig, zu sehen, dass mein Team Spa√ü hat an dem, was es tut; auch in Situationen, in denen es vielleicht mal ein bisschen hei√üer hergeht. Es motiviert mich auch, mich selbst weiterzuentwickeln, weil es in meinem neuen Job so viel gibt, was ich noch lernen kann. Auch mein Englisch wird zum Beispiel immer besser. Manchmal ist der Job aber auch sehr anstrengend und ich falle um 21:00 Uhr todm√ľde ins Bett. Aber es macht unglaublich viel Spa√ü, gerade auch wegen des gro√üartigen Teams. Ich habe ganz deutlich das Gef√ľhl: Da wo ich jetzt bin, bin ich auf jeden Fall richtig.¬†

Werde jetzt VDV-Mitglied:

Weil bei uns der Spieler als Mensch zählt!

Deine Vorteile

Mitgliedsantrag

VDV unterst√ľtzt bei der Planung

Jetzt an die Karriere nach der Karriere denken!

Die VDV hat f√ľr die Spieler ein umfassendes Serviceangebot rund um die nachfu√üballerische Berufslaufbahn erstellt.