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EM-Organisatoren Philipp Lahm und Markus Stenger

EURO 2024 soll europäischen Gedanken stärken 

Nur noch ein halbes Jahr bis zum Start der UEFA EURO 2024 – dem größten Fußballereignis in Deutschland seit der WM 2006. Für die erfolgreiche Organisation und Durchführung des Turniers gründete der DFB bereits 2019 die DFB EURO GmbH und machte Philipp Lahm sowie Markus Stenger zu deren Geschäftsführern. Im Interview mit WIR PROFIS sprechen die beiden über Herausforderungen, Chancen und Erwartungen im Hinblick auf das Turnier. 

WIR PROFIS: In den insgesamt zehn EM-Austragungsstädten, den sogenannten „Host Cities“, läuft die organisatorische Vorbereitung auf die EURO auf Hochtouren - was ist für euch aktuell die größte Herausforderung? 

Philipp Lahm: Bei den Planungen für die UEFA EURO 2024 sind wir voll im Zeitplan. Wir führen aktuell viele Gespräche mit der Bundesregierung, mit bedeutenden deutschen Unternehmen, mit der UEFA, dem DFB und den Host Cities. Das gemeinsame Ziel ist es, ein friedliches Fest für Fans aus der ganzen Welt zu ermöglichen. Alle wissen dabei, wie wichtig dieses Turnier für Deutschland ist und alle sind bereit, zu unterstützen und mitanzupacken! Der Start des Ticketverkaufs Anfang Oktober hat bereits eindrucksvoll gezeigt, dass die Fans sich auf dieses Turnier freuen. Wir hatten über acht Millionen Ticketanfragen in den ersten 24 Stunden erhalten. Das ist einmal mehr ein Ansporn für uns! Jetzt geht es darum, wichtige Bereiche wie die Mobilität und Sicherheit optimal vorzubereiten und somit die Voraussetzungen für ein Turnier zu schaffen, das den Fans, den Mannschaften und uns allen in sehr positiver Erinnerung bleiben wird. 

Markus Stenger: Wie Philipp sagt, hat spätestens mit dem Start des Ticketverkaufs im Oktober die heiße Phase begonnen. Die größten Herausforderungen liegen aus unserer Sicht in den Bereichen Mobilität und Sicherheit, da kommt es darauf an, dass die Planungen eng mit allen Beteiligten abgestimmt sind und jeder seinen Beitrag dazu leistet. 

WIR PROFIS: Die WM 2006 ist mittlerweile 17 Jahre her, die tollen Erinnerungen aber bei vielen noch sehr präsent. Wie kann es Deutschland als Ausrichterland schaffen, nicht permanent mit sich selbst verglichen zu werden (Stichwort zweites „Sommermärchen“)? 

Philipp Lahm: Die WM 2006 war ein herausragendes Ereignis für den deutschen Fußball – und für das ganze Land. Es war beeindruckend mitzuerleben, wie dieses Turnier eine positive Stimmung erzeugt hat und die Nation über Jahre positiv beeinflusst hat. Für uns ist der Begriff Sommermärchen daher eine Motivation! Das Motto für die UEFA EURO 2024 lautet nun „United by football. Vereint im Herzen Europas“. Und wir haben dabei eine klare Vision: Die EURO 2024 soll ein Fußball-Fest der Freude und Freiheit werden! Wir wollen hier bei uns in Deutschland, also im Herzen von Europa, ein friedliches Zeichen setzen für die Demokratie! Die UEFA EURO 2024 ist ein Aufruf für Solidarität und Fürsorge sowie für ein Wiedererstarken des europäischen Gedankens und des Zusammenhalts in der Gesellschaft! Und ich bin davon überzeugt, dass wir heute in einem Jahr sagen können: Wir haben es alle gemeinsam geschafft, ein Sommermärchen 2024 zu ermöglichen und dieses zu feiern! 

Markus Stenger: Wir alle haben viele positive Erinnerungen an die WM 2006. Organisatorisch ist damals ein Glanzstück gelungen. Deutschland hat sein Bild in der Welt verändert. Viele Initiativen, die damals angestoßen wurden, laufen heute noch und haben viele positive Effekte hervorgerufen. Wenn uns die Menschen am Ende damit vergleichen und wir mit unseren Bemühungen im Bereich der Sicherheit, der Nachhaltigkeit und der Mobilität neue Standards für Sport-Großereignisse gesetzt haben, dann scheuen wir den Vergleich nicht. 

WIR PROFIS: Philipp, du hast 2006 mit deinem 1:0 im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica buchstäblich den Startschuss für die Euphoriewelle gegeben. Was muss die heutige DFB-Elf tun, um das Land genauso hinter sich zu bringen wie damals die Klinsmann-Elf? 

Philipp Lahm: Der DFB hat zuletzt konsequent gehandelt und nach dem WM-Vorrunden-Aus 2022 wichtige Führungspositionen neu besetzt. Bis zum Turnier-Start geht es jetzt darum, dieses klare und konzentrierte Handeln auf dem Platz und auch außerhalb fortzusetzen und immer mehr zu verinnerlichen. Es geht jetzt ausschließlich um den gemeinsamen Erfolg! 2006 hatten wir im März – nur drei Monate – vor dem Turnier-Start noch mit 1:4 in Italien verloren. Doch wir haben uns als Mannschaft gefunden und uns auf das gemeinsame Ziel fokussiert. Wenn die deutsche Nationalmannschaft vor eigenem Publikum leidenschaftlich und kämpferisch auftritt, dann sind die Fans sofort bereit, dieses Team zu unterstützen. Das haben wir auch zuletzt beim 2:1 gegen Frankreich in Dortmund gesehen. Die Fans wollen sich mit den Spielern identifizieren können. Und sobald sie das können, sind sie voll da – und wir werden alle gemeinsam eine eindrucksvolle EURO 2024 erleben. 

WIR PROFIS: Dass nur neun Monate vor dem Turnier ein neuer Bundestrainer präsentiert wird, stand so sicher nicht im Drehbuch. Dennoch bietet der Trainerwechsel Chancen – welche Veränderungen erhofft und erwartet ihr euch von Julian Nagelsmann? 

Philipp Lahm: Der Trainer-Wechsel war notwendig und es ist immer noch ausreichend Zeit, damit sich Trainer und Mannschaft nun entsprechend finden können. Er muss der Mannschaft ein Gesicht geben und eine neue Hierarchie aufbauen. Er muss deutlich machen, auf welche Spieler und auch welche Stammformation er setzt. Julian Nagelsmann hat beispielsweise Ilkay Gündogan zum Kapitän ernannt. Das war ein kluger und richtiger Schritt. Zudem verbreitet Julian Nagelsmann eine neue Euphorie und Dynamik. Das sorgt sofort für eine positivere Stimmung! Und dass sich eine Mannschaft innerhalb von wenigen Monaten neu finden kann, zeigt das Beispiel Marokko. Dort wurde Walid Regragui erst rund drei Monate vor der WM 2022 zum Trainer ernannt. Er hat es hinbekommen, dass die Mannschaft mit Leidenschaft und Begeisterung spielte, sich einer für den anderen einsetzte und sie es gemeinsam sogar bis ins Halbfinale schafften. Es ist also grundsätzlich möglich, so etwas auch so kurzfristig zu schaffen! 

WIR PROFIS: Mit welchen Ergebnissen der Organisationsarbeit seid ihr besonders zufrieden, an welchen Stellen steht noch Arbeit an? 

Philipp Lahm: Wir haben bereits von Anfang großen Wert gelegt auf ein sehr hohes Niveau der Sicherheitsarbeit zur EURO 2024. Sicherheitsfragen sind von höchster Priorität in der Vorbereitung und Durchführung dieses Turniers. Ob noch weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen, wird sich in der jeweiligen Bewertung der Sicherheitslage zeigen. Auch darauf werden wir vorbereitet sein. Hierzu stehen wir im ständigen Dialog mit der UEFA, den Sicherheitsbehörden und der Polizei. Wir wollen den Fans eine großartige, sichere Zeit hier in Deutschland schenken und ein angenehmes Reisen ermöglichen! Was zudem bisher sehr positiv verlief, ist unser Vorgehen im Bereich Nachhaltigkeit. Wir haben Nachhaltigkeit ins Reglement für Teams und Organisatoren aufgenommen und den EURO-2024-Spielplan so gestaltet, dass wir CO²-Emissionen reduzieren. Solche Anstrengungen hat in diesem Bereich noch kein Veranstalter übernommen und wir sind froh, dass die UEFA diesen Weg mit uns geht. 

Markus Stenger: Die Bereiche Sicherheit und Mobilität müssen wir mit den Partnern in der Politik, den Städten und den relevanten Behörden ausarbeiten. Darauf liegt unser Fokus in den kommenden Monaten! 

WIR PROFIS: Wie kann der DFB die Fans – im Hinblick auf die EURO und darüber hinaus – noch weiter begeistern und mitnehmen? 

Philipp Lahm: Es ist ein guter Schritt gewesen, dass der DFB zuletzt diesen Neuanfang gemacht und personelle Entscheidungen getroffen hat. Somit kann jetzt Ruhe in den Verband einkehren. Jeder kann sich voll auf seine Rolle und das Sportliche konzentrieren. Hier zählen nun in den kommenden Monaten die Einstellung, das Auftreten – und Siege! Der DFB sollte darüber hinaus aus meiner Sicht viel mehr Wert auf den Nachwuchs, den Frauenfußball, das Ehrenamt, das Schiedsrichterwesen und den Amateurfußball legen. Denn das ist die Aufgabe des DFB: Er fördert das Gemeinwohl. In diese Bereiche sollte dementsprechend wieder mehr investiert werden. 

Markus Stenger: Wir müssen auch berücksichtigen, dass das Turnier als drittgrößtes Sport-Ereignis der Welt nicht nur von einem Team getragen wird – sondern von 24. Wir erwarten aufgrund unserer guten Initiativen im Bereich der Mobilität viele Fans aus Europa und der ganzen Welt. Es wird an jedem Einzelnen liegen, die Rolle als Gastgeber – beispielsweise auch im Umfeld der Team-Base-Camps – mit Leben zu füllen und die Vorfreude, die bei den Menschen mehr und mehr steigt, für das Turnier in Begeisterung zu verwandeln. 

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