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Nachspielzeit

Endlich Wochenende!

Stefan Kießling war einer der besten deutschen StĂŒrmer der letzten Jahrzehnte. Dass fĂŒr das langjĂ€hrige VDV-Spielerratsmitglied am Ende der Karriere unter dem Strich zwar viel Anerkennung aber wenig Silberware steht, war vor allem zwei Dingen geschuldet: Pech und seiner außergewöhnlichen Spielweise.

So galt Stefan Kießling als Idealtypus eines mannschaftsdienlichen StĂŒrmers; einer, der sich die BĂ€lle in der eigenen HĂ€lfte erkĂ€mpfte und die Konter einleitete, wĂ€hrend derer er sich dann oft goldrichtig in der Box positionierte. Auf diese Weise sprangen in der Saison 2012/13 25 Treffer und die kicker-TorjĂ€gerkanone heraus – aber leider nie ein Stammplatz in der deutschen Nationalmannschaft.

Die großen StĂ€rken von „Kies“, die Lufthoheit bei Standards und bei langen BĂ€llen sowie die Cleverness im Umschaltspiel, wollten nicht so recht zu Joachim Löws damaligem Kurzpass- und Ballbesitzfußball passen. Die „goldenen Jahre“ der DFB-Elf – inklusive WM-Titel – liefen daher grĂ¶ĂŸtenteils ohne den treffsichersten Bundesliga-StĂŒrmer vonstatten.

Zur falschen Zeit am richtigen Ort

Doch wie schon erwĂ€hnt, war bei der Titellosigkeit auch Pech im Spiel. Pech etwa, dass der 1. FC NĂŒrnberg, bei dem der gebĂŒrtige Lichtenfelser 2002 seine Profikarriere begann, im Jahr 2007 ĂŒberraschend den DFB-Pokal gewann – ein Jahr nachdem Stefan Kießling den Club in Richtung Leverkusen verlassen hatte. Pech auch, dass in den 2010er Jahren zunĂ€chst Borussia Dortmund und dann der FC Bayern MĂŒnchen regelmĂ€ĂŸig den Punkterekord in der Bundesliga pulverisierten und es in Sachen Deutsche Meisterschaft fĂŒr Bayer 04 kein Vorbeikommen gab.

So stehen in Stefans Briefkopf am Ende „nur“ (das Wort hört sich an dieser Stelle furchtbar falsch an) die 144 Bundesliga-Treffer. Das sind immerhin mehr als Uwe Seeler, JĂŒrgen Klinsmann, Miroslav Klose oder Rudi Völler vorweisen können. „Ich bin schon der Meinung, dass ich eine großartige Karriere hinter mir habe“, sagt Kies deshalb zurecht. „Aber natĂŒrlich hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht, auch mal einen Titel zu holen. WĂ€re ja auch merkwĂŒrdig, wenn ein Fußballer sagt, dass er mit
0 Titeln zufrieden ist.“

FrĂŒhzeitig die Weichen gestellt

Die sportliche Leistung erscheint umso bemerkenswerter, wenn offenkundig wird, wie er sich parallel zum Profialltag auf die Zeit nach der Karriere vorbereitet hat: „Mein Sportmanagement-Studium habe ich noch zu meiner aktiven Zeit nebenbei gemacht, das Zertifikat zum Sportdirektor habe ich dann im letzten Jahr erhalten“, erklĂ€rt Kies, der bereits in jungen Jahren eine Ausbildung zum Lageristen absolviert hatte. „Es ist wichtig, sich frĂŒhzeitig damit zu beschĂ€ftigen, in welche Richtung es nach dem Fußball gehen sollte. Ich verstehe aber auch, dass das fĂŒr viele Spieler nicht so einfach ist. Mir hat es zum Beispiel sehr geholfen, dass ich in den letzten Jahren meiner Karriere regelmĂ€ĂŸig Berufserfahrung gesammelt habe.“

Mit der Erfahrung und dem Studium in der Tasche wechselte der Ex-StĂŒrmer nach seinem Karriereende 2018 ins Management seines neuen alten Arbeitgebers Bayer 04 Leverkusen, wo er fĂŒr den Bereich „Koordination Lizenz“ verantwortlich war. „Das glich oft einem normalen BĂŒrojob: Ich bin morgens zur GeschĂ€ftsstelle gefahren, habe meine Termine und Aufgaben wahrgenommen, manchmal noch Sponsorenveranstaltungen.“

And now: Family first

Zeit zum Durchatmen blieb ihm dabei, anders als anfangs erwartet, nicht wirklich. „Nach meinem letzten Spiel als Profi habe ich noch gesagt, wie sehr ich mich auf die freien Wochenenden und die stressfreie Alltagsplanung freue. Nun, in der Hinsicht war der neue Job ein absoluter Reinfall“, erklĂ€rt er lachend.

Auch deshalb hat Kies, der im Januar seinen 40. Geburtstag feiern wird, seit Beginn der Saison 2023/24 seinen Aufgabenbereich verĂ€ndert und ist aktuell als KlubreprĂ€sentant tĂ€tig. Er möchte sich nun erst einmal um das kĂŒmmern, was die letzten zwei Jahrzehnte zu kurz gekommen ist: die Familie. „Ich ziehe mich jetzt etwas aus dem operativen GeschĂ€ft zurĂŒck, um mehr auf mich, meine Frau und meine Kinder zu schauen. Damit ich auch mal die Freiheit habe, zu sagen: Du hast eine Veranstaltung in der Schule? Klar, da komme ich mit!“

Im Grunde tut er damit genau das, was ihn als StĂŒrmer ausgezeichnet hat: Sich Raum verschaffen und da sein, wo er am meisten gebraucht wird. Auch am Wochenende.

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