Weil bei uns der Spieler als Mensch zÀhlt!
Marco KonradÂ
Plan B: Weiterentwicklung statt NeustartÂ
Als Spieler schaffte Marco Konrad mit dem SSV Ulm sensationell den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga. Schon damals bereitete er sich nebenbei intensiv auf seine nachfuĂballerische Berufslaufbahn vor und profitiert heute enorm von dieser Investition. Im GesprĂ€ch mit WIR PROFIS berichtet der mittlerweile 51-jĂ€hrige Pro-Lizenz-Trainer darĂŒber, warum es so wichtig ist, frĂŒhzeitig in die Ferne zu blicken und warum auch von RĂŒckschlĂ€gen wertvolle Impulse fĂŒr die Zukunft ausgehen können.
FrĂŒh den Blick nach vorne richtenÂ
Marco Konrad dachte schon als Spieler weiter als bis zum nĂ€chsten Vertrag, die Zeit nach dem FuĂball behielt er bei allen Entscheidungen immer im Blick. Nicht weil er zweifelte, sondern aus Verantwortungsbewusstsein. âIch habe immer schon das GefĂŒhl gehabt, dass ich ein zweites Standbein brauche.â Der in HöchstĂ€dt an der Donau geborene Marco entschied sich deshalb fĂŒr ein Jura-, spĂ€ter dann fĂŒr ein Sportmanagement-Studium und begann gegen Ende seiner Laufbahn zusĂ€tzlich sogar noch ein Lehramtsstudium. Gleichzeitig spielte er weiter FuĂball, absolvierte seine Trainerscheine und grĂŒndete mit seiner Frau eine Familie. Mit Ende 20 war er bereits vierfacher Vater. âDa war es natĂŒrlich klar, dass man in der Verantwortung ist und dann auch auf das Leben danach schaut.âÂ
Dass ein solcher Spagat nur mit Disziplin und UnterstĂŒtzung gelingen kann, verschweigt er nicht. âDa braucht es ein bisschen Planung, da braucht es ein bisschen Koordination, da braucht es eine Frau an der Seite, die einen da auch unterstĂŒtzt.â Trotz der zusĂ€tzlichen Belastung empfand Marco diese Jahre nie als Verzicht. FuĂball blieb seine Leidenschaft, die Ausbildung eine bewusste Investition in die Zukunft. Als viele seiner Profikollegen nach dem Karriereende erst Orientierung suchen mussten, hatte er sein berufliches Fundament lĂ€ngst gelegt.Â

Lehrjahre unter Ralf RangnickÂ
GeprĂ€gt wurde Marco nicht nur durch seine Ausbildung, sondern auch durch Begegnungen auf und neben dem Platz. Nach seinen ersten Gehversuchen als Profi in der Oberliga Bayern beim FC Gundelfingen wechselte er zum SSV Ulm und stieg dort unter Trainer Ralf Rangnick in die Bundesliga auf. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt. âWir waren damals in Deutschland die ersten, die mit ballorientierter Raumdeckung gespielt habenâ, erinnert er sich an die Zeit rund um die Jahrtausendwende. WĂ€hrend vielerorts noch mit Libero verteidigt wurde, lernte Marco in Ulm einen FuĂball kennen, der seiner Zeit voraus war. Rangnicks aktive und aggressive Spielweise hinterlieĂ Spuren, nicht nur beim Spieler, sondern auch beim spĂ€teren Trainer Marco Konrad. âWir waren ĂŒber das ganze Feld in jeder Spielphase im Angriffsmodus.â Dieser Ansatz habe ihn damals âangefixtâ und begleite ihn bis heute in seiner Trainerarbeit.Â
Vom Spieler zum TrainerÂ
Sein Ăbergang von der Spieler- in die Trainerkarriere verlief flieĂend, da er zunĂ€chst als Spielertrainer unterwegs war. Beim SC Pfullendorf spielte er 2019 sogar noch im Alter von 44 Jahren in der Verbandsliga mit. Im Mai 2021 schloss Marco wĂ€hrend seiner Zeit als Trainer beim Bayern-Regionalligisten FV Illertissen seine Ausbildung als FuĂballlehrer (Pro-Lizenz) ab. Im Herbst 2023 wechselte er als Co-Trainer in den Profibereich zur Spielvereinigung Greuther FĂŒrth.Â
RĂŒckschlĂ€ge als ChanceÂ
Marcos Weg verlief allerdings nicht immer so geradlinig. Wie viele Profis musste auch er RĂŒckschlĂ€ge bewĂ€ltigen, die ihn sportlich und persönlich forderten. Einer der schwierigsten Momente war ein Kreuzbandriss, den er sich 2004 beim SC Pfullendorf zuzog. Wobei er sogar dieser schweren Verletzung etwas Positives abgewinnen konnte: âDadurch habe ich damals noch mal ein paar Monate Zeit fĂŒr mich bekommen.â RĂŒckblickend betrachtet er diese Phase daher nicht nur als Hindernis. Die Verletzung verschaffte ihm Raum, ĂŒber die nĂ€chsten Schritte nachzudenken und die Zeit nach dem FuĂball stĂ€rker in den Blick zu nehmen. âSie hat mir nochmal einen Schub gegeben.âÂ
Gerade solche Erfahrungen haben seinen Blick auf die Karriere geschĂ€rft. FĂŒr Marco ist FuĂball immer auch ein GeschĂ€ft der UnwĂ€gbarkeiten. Umso wichtiger sei es, sich frĂŒh mit den eigenen StĂ€rken und Möglichkeiten auseinanderzusetzen.Â
Den eigenen Weg findenÂ
Patentrezepte gĂ€be es dabei nicht, zu unterschiedlich seien die Lebenswege und Persönlichkeiten eines jeden Spielers. âWas du tust, muss zu dir passen. Nicht jeder ist ein Trainer, nicht jeder ist ein Sportmanager, nicht jeder ist ein KapitĂ€n.â Stattdessen wirbt er fĂŒr Selbstreflexion. Wer seine StĂ€rken kennt, trifft bessere Entscheidungen, auf und neben dem Platz. FĂŒr ihn selbst gehörte dazu die Erkenntnis, âein Team- und kein Individualplayerâ zu sein. Mindestens genauso wichtig wie das Erkennen der eigenen StĂ€rken sei die FĂ€higkeit, âzu wissen, was man nicht kann.âÂ
Eine Stimme fĂŒr die SpielerÂ
FĂŒr diese Form von Orientierung steht aus seiner Sicht auch die Spielergewerkschaft. KĂŒrzlich wurde Marco fĂŒr seine langjĂ€hrige Verbundenheit mit der VDV mit der Ehrenmedaille in Silber ausgezeichnet. âFĂŒr mich war immer klar, dass es eine Stimme braucht fĂŒr die Spielerâ, sagt er mit Blick auf seine 25-jĂ€hrige Mitgliedschaft.Â
Gerade junge Profis sieht er hĂ€ufig zwischen Beratern, Erwartungen und Ă€uĂeren EinflĂŒssen gefangen. Umso wichtiger seien Institutionen wie die VDV, die begleiten, beraten und im Zweifel auch auffangen. Sein wichtigster Rat an junge Spieler fĂ€llt deshalb ebenso einfach wie zeitlos aus: âBehaltet euch die Liebe zum Spiel, behaltet euch die Freude am Spiel, behaltet euch den Bezug zu eurem eigenen GefĂŒhl.â Entscheidungen sollten aus Ăberzeugung entstehen, nicht allein aus finanziellen Motiven oder Ă€uĂeren Erwartungen.Â
RĂŒckblickend zieht sich ein Gedanke wie ein roter Faden durch Marcos Laufbahn: sich vorbereiten, Verantwortung ĂŒbernehmen und trotzdem den Mut haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Selbst ein sicherer Beamtenstatus hielt ihn nicht davon ab, einen anderen Weg einzuschlagen. âEs geht darum, sich selber vor allem zu vertrauen und sich selber etwas zuzutrauen und ĂŒberzeugt von dem zu sein, was man tut.âÂ
Zur neuen Saison hat Marco als Cheftrainer die Frauen-Bundesligamannschaft des SC Freiburg ĂŒbernommen.Â
Plan B? VDV hilft!Â
Als Spielergewerkschaft hilft die VDV bei der Vorbereitung auf die nachfuĂballerische Berufslaufbahn â von der Potenzialanalyse, ĂŒber FernstudiengĂ€nge bis hin zu praktischen Bewerbungstipps.
- E-Mail: efwengrcptred.shieeaso@iklf
- Telefon: 02 09 â 73 08 26 60Â
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