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Wie Tom Bertram vom Innenverteidiger zum Unternehmer wurde

Wiederanpfiff nach dem Bruch 

Er spielte gemeinsam mit Mats Hummels in der U-21-Nationalmannschaft und galt als hoffnungsvolles Talent. Doch bevor seine Profikarriere richtig Fahrt aufnehmen konnte, wurde Tom Bertram immer wieder von Verletzungen ausgebremst. Inzwischen hat er sich beruflich abseits des Platzes etabliert, ist dem Fußball aber weiterhin eng verbunden. 

Das Versprechen einer großen Karriere 

Bei Rot-Weiß Erfurt begann alles so, wie es bei vielen Profis beginnt: mit Talent, Ehrgeiz und schnellen Entwicklungsschritten. Tom spielte frĂŒh in höheren JahrgĂ€ngen, wurde fĂŒr Auswahlteams nominiert und schaffte es bis in die U-21-Nationalmannschaft. Dort spielte er an der Seite von Spielern wie Mats Hummels. Der Weg schien vorgezeichnet, Fußball war lĂ€ngst mehr als ein Hobby. 

Erst der Knöchel, dann das Knie 

Mit dem Wechsel in die 2. Bundesliga – erst nach FĂŒrth, spĂ€ter nach Paderborn – kam jedoch nicht der erhoffte nĂ€chste Karriereschritt, sondern der Bruch. Verletzungen warfen den Abwehrspieler immer wieder zurĂŒck. Erst war es der Knöchel, spĂ€ter das Knie. 

Was von außen „nur“ wie eine sportliche Krise wirkte, wurde fĂŒr ihn zu einer existenziellen Frage. Nicht nur die Diagnose traf ihn hart, sondern vor allem die Konsequenz: „Nicht mehr das machen zu dĂŒrfen und zu können, woran du seit deinem zweiten, dritten Lebensjahr eigentlich Spaß hattest“. 

In dieser Phase lernte er auch die andere Seite des GeschĂ€fts kennen. Seine Zeit in Paderborn fand ihren unrĂŒhmlichen Höhepunkt, als der Klub den verletzten Tom Bertram – man muss es so sagen – möglichst schnell loswerden wollte. Seine Reaktion: „Jungs, das könnt ihr mit anderen machen, aber natĂŒrlich mit mir nicht.“ 

Tom unterschrieb nichts, schaltete seinen Berater ein und holte sich UnterstĂŒtzung – auch ĂŒber die VDV. Ein Moment, in dem es nicht mehr um Fußball ging, sondern um Selbstbehauptung. 

ZurĂŒck auf Anfang – und nach vorn 

Mit 25 saß der ehemalige U-21-Nationalspieler plötzlich wieder im Klassenzimmer. Genauer gesagt: in der Berufsschule. Die Berufsgenossenschaft hatte ihm zuvor die simple, aber zugleich schwierige Frage gestellt: Wie geht es weiter? Eignungstests fĂŒhrten ihn in den kaufmĂ€nnischen Bereich. Tom entschied sich bewusst fĂŒr die Ausbildung zum Industriekaufmann, weil das „die breit gefĂ€cherte kaufmĂ€nnische Ausbildung“ gewesen sei, „wo du dann noch hĂ€ttest in sĂ€mtliche Richtungen danach switchen können“. 

Dass er diese Ausbildung bei seinem Heimatverein Rot-Weiß Erfurt absolvieren konnte, half ihm enorm. Trotzdem blieb der Neustart herausfordernd. Zwischen 16- und 18-jĂ€hrigen MitschĂŒlern zu sitzen, sei erstmal „kein schönes GefĂŒhl“ gewesen. Und doch war genau das der Wendepunkt: raus aus der Komfortzone, rein in ein neues Leben. 

Ein zweites Standbein im Fußball 

Tom Bertram blieb dem Fußball erhalten, aber aus anderen Perspektiven: als Trainer, spĂ€ter im organisatorischen Bereich und schließlich als Stadionsprecher von Rot-Weiß Erfurt. Seit rund zwölf Jahren steht er dort nun am Mikrofon – eine Rolle, die ursprĂŒnglich gar nicht langfristig geplant war. 

„Es macht Spaß“, sagt er. Und verschweigt gleichzeitig nicht die Kehrseite: „Aber jede Ferienplanung, Urlaubsplanung muss sich ja so ein bisschen nach dem Spielplan richten.“ Auch hinter den Kulissen hat sein Blick auf das GeschĂ€ft sich grundlegend verĂ€ndert. Was frĂŒher selbstverstĂ€ndlich war, wird nun sichtbar: Organisation, Verantwortung, Details. 

Vom Netzwerk zur eigenen Firma 

Der vielleicht wichtigste Schritt kam nicht aus einem festen Plan heraus, sondern aus Kontakten: In der Erfurter VIP-Loge kam Tom mit den Verantwortlichen des Sportartikelherstellers Jako in Kontakt. Die erkannten, wie vernetzt der Ex-Profi in der Stadt und Umgebung ist. Daraus entstanden erst Vertrauen und schließlich die Chance zur SelbststĂ€ndigkeit. Mit kabine38 baute er sich im Teamsportbereich ein eigenes GeschĂ€ft auf. Ein beeindruckendes Beispiel fĂŒr das, was er jungen Spielern immer wieder mitgeben möchte: Netzwerke entstehen nicht nach der Karriere, sondern wĂ€hrenddessen. 

Eine Begegnung mit Mats Hummels Jahre spĂ€ter bringt diesen Gedanken auf den Punkt. Denn der erinnerte sich nicht nur an Tom, sondern kannte auch dessen Geschichte und Verletzungshistorie sehr genau. FĂŒr Tom ist das mehr als eine nette Anekdote: Es ist ein Beweis dafĂŒr, wie wichtig echte Verbindungen sind. 

Der Blick nach vorn beginnt frĂŒh 

DarĂŒber hinaus spricht Tom ein Thema offen an, ĂŒber das Fußballprofis im Allgemeinen eher ungern reden: Geld. „Ich habe zwar gutes Geld verdient, aber ich habe es auch gut ausgegeben. Jetzt im Nachhinein denke ich mir: Mensch, du hĂ€ttest ruhig ein bisschen mehr zur Seite legen können.“ 

Sein wichtigster Rat an Nachwuchsprofis ist deshalb kein spektakulĂ€rer – sondern ein realistischer: „Die Orientierung fĂŒr einen beruflichen Plan B sollte möglichst frĂŒh starten.“ Nicht jeder Schritt mĂŒsse perfekt sein. Auch seine eigene Laufbahn verlief nicht geradlinig. Aber der entscheidende Unterschied liegt im Bewusstsein: frĂŒh anfangen, sich Gedanken machen, Optionen entwickeln. Denn: „In irgendeine Richtung sollte es schon gehen.“ 
 


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