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Psychologie
Nach Verletzungen stärker zurückkommen
Verletzungen beeinträchtigen nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Gesundheit. Diplom-Psychologin Marion Sulprizio – Geschäftsführerin von MENTAL GESTÄRKT an der Deutschen Sporthochschule Köln – erklärt, warum Reha immer auch mentale Arbeit bedeutet, wie Angst vor Wiederverletzung Leistung blockiert und weshalb Vereine psychologische Betreuung strukturell verankern sollten.
WIR PROFIS: Frau Sulprizio, wenn Sie „Verletzungen & Psyche“ in einem Satz zusammenfassen müssten – was ist aus sportpsychologischer Sicht die wichtigste Botschaft?
Marion Sulprizio: Verletzungen belasten nicht nur die körperliche, sondern immer auch die mentale Gesundheit. Studien zeigen, dass gerade in der Verletzungsphase depressive Verstimmungen häufiger auftreten. Gleichzeitig darf jemand trotz dieser Risiken nicht den Mut oder die Motivation verlieren, im Leistungssport aktiv zu bleiben. Verletzungen gehören leider dazu, entscheidend ist, wie die betroffene Person mit ihnen umgeht.
WIR PROFIS: Welche psychischen Reaktionen beobachten Sie typischerweise bei verletzten Athleten?
Marion Sulprizio: Oft folgt das einem gewissen Muster: Am Anfang steht der Schock oder ein traumatischer Moment. Danach kommt häufig eine Phase der Niedergeschlagenheit oder Verzweiflung. Im Leistungssport setzt dann relativ schnell Akzeptanz ein, verbunden mit dem Gedanken „Ich komme stärker zurück.“ Dieser Blick in die Zukunft ist ein wichtiger Wendepunkt.
WIR PROFIS: Ein großes Thema ist die Angst vor Wiederverletzung. Wie wirkt sich das auf die Leistung aus?
Marion Sulprizio: Diese Angst ist sehr typisch und leider problematisch. Wer ständig in seinen Körper hineinhorcht und vorsichtig agiert, verlässt sein optimales Aktivierungsniveau. Der Spieler spielt nicht mehr befreit, sondern zurückhaltend. Genau dadurch steigt paradoxerweise das Risiko für Fehler und damit für erneute Verletzungen. Deshalb ist es wichtig, diese Angst aktiv zu bearbeiten, etwa durch Visualisierungen oder gezielte Selbstgespräche.
WIR PROFIS: Wie groß ist die psychische Last in der eigentlichen Reha-Phase, gerade mit Blick auf Identität und Karriereangst?
Marion Sulprizio: Sehr groß! Im Profisport definieren sich viele über ihre Rolle als Sportlerin oder Sportler. Fällt das weg, entsteht schnell die Frage: Wer oder was bin ich jetzt noch? Dazu kommen Zukunftsängste, etwa hinsichtlich Verträgen oder Sponsoren. Deshalb plädieren wir schon lange für einen Plan B und duale Karrierewege. Wer weiß, dass es Alternativen gibt, fällt in der Verletzungsphase weniger tief.
WIR PROFIS: Was können Spieler selbst tun, um stabil durch die Reha zu kommen?
Marion Sulprizio: Struktur ist entscheidend. Neue Routinen ersetzen die gewohnten Abläufe des Trainingsalltags. Kleine Zwischenziele, etwa bestimmte Bewegungsgrade oder Laufumfänge, stärken die Selbstwirksamkeit. Das Gefühl, trotz Verletzung Fortschritte zu machen, ist enorm wichtig. Sportpsychologische Tools wie beispielsweise Selbstgesprächsregulation unterstützen diesen Prozess zusätzlich.
WIR PROFIS: Wie können die Klubs ihre Spieler hier besser unterstützen?
Marion Sulprizio: Indem sie Isolation vermeiden. Verletzte sollten weiterhin Teil der Mannschaft bleiben und beim Training dabei sein, um soziale Nähe zu spüren. Außerdem braucht es einen engen Austausch zwischen Trainer, Sportarzt, Physiotherapie und Athlet. Denn: Unterschiedliche Botschaften erzeugen Unsicherheit. Und ganz wichtig: Zeit geben. Ein zu früher Return-to-Sport aus Druck heraus ist in den seltensten Fällen nachhaltig.
WIR PROFIS: Wie wichtig ist strukturelle Prävention, etwa verpflichtende sportpsychologische Betreuung?
Marion Sulprizio: Im Nachwuchsleistungsbereich ist sportpsychologisches Personal inzwischen vorgeschrieben. Für Profimannschaften wäre das ebenfalls sinnvoll. Darüber hinaus helfen Screening-Verfahren zur Früherkennung psychischer Belastungen. Vor allem aber braucht es Entstigmatisierung: Die einfache Frage „Wie geht es dir?“ wird im Leistungssport noch viel zu selten gestellt.
Rückkehr nach Verletzungen
Beim Thementag „Verletzung & Psyche“ von MENTAL GESTÄRKT und der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) wurde unter anderem gezeigt, wie Selbstwirksamkeit und Resilienz sich positiv auf den Rehabilitationsverlauf auswirken können und wie wichtig es ist, dass Sportler, Trainer, Ärzte und Psychologen beim Heilungsprozess eng zusammenarbeiten. Weitere Infos dazu gibt es auf der Website www.mentalgestaerkt.de.
Darüber hinaus beantworten die Experten von MENTAL GESTÄRKT – vertraulich – Fragen zur psychischen Gesundheit und vermitteln bei Bedarf Hilfe vor Ort.
- Telefon: 02 21 – 49 82 55 40
- E-Mail: .-drhalgmneetsds@eakltoknsete
- Website: www.mentalgestaerkt.de
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