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Ex-Profi Otto Addo

Mut statt Symbolik gegen Rassismus 

Der ehemalige Bundesligaprofi und heutige Trainer Otto Addo spricht im Interview mit WIR PROFIS offen über Rassismus und fordert entschlossenes Handeln. 

WIR PROFIS: Otto, wenn du auf deine aktive Zeit zurückblickst: Wie hast du den Umgang mit Rassismus damals erlebt – und wie nimmst du die Situation heute wahr? 

Otto Addo: Damals war es noch extremer. Vor allem vor und zu meiner Zeit gab es Dinge wie Bananenwürfe, Affenlaute. Das war erschreckend normalisiert. Das ist heute in den Stadien deutlich besser geworden. Der DFB macht vieles: Kampagnen, Sensibilisierung, klare Positionierung. Aber: Rassismus ist nicht weg. Freunde von mir, die im Amateurbereich spielen, erleben das immer noch regelmäßig. Die Fortschritte sind da, aber es gibt weiterhin viel zu tun. 

WIR PROFIS: Welche Mechanismen im Fußball machen es Menschen heute noch leicht, rassistisch aufzutreten? 

Otto Addo: Ein großes Problem ist die Anonymität im Stadion und noch stärker in sozialen Medien. Dazu kommt, dass Vereine es ungern öffentlich machen, wenn rassistische Vorfälle passieren, weil es schlecht fürs Image ist. Manche wissen genau, dass sie rechte Gruppierungen in ihren Fanlagern haben, aber greifen nicht konsequent durch. Und gesellschaftlich sehen wir gerade einen Rechtsruck, das färbt auf den Fußball ab. Es bekommt mehr Akzeptanz, rassistische Dinge zu äußern. 

WIR PROFIS: Öffnet dieser Rechtsruck neue Räume für rassistisches Verhalten? 

Otto Addo: Ja, definitiv. Die Leute werden mutiger. Es wird salonfähiger, andere abzuwerten – besonders Spieler mit Migrationshintergrund oder anderer Religionen. Ich glaube nicht, dass es plötzlich mehr Rassisten gibt. Aber die Stimmen, die es immer gab, treten heute selbstbewusster auf. 

WIR PROFIS: Lass uns über deine Initiative „Roots“ sprechen, die Empowerment und Sensibilisierung fördern möchte. Wie setzt ihr das konkret um? 

Otto Addo: Viel läuft über Gespräche – mit Betroffenen, aber auch mit Vereinen. Wir werden inzwischen von Klubs eingeladen, Workshops zu geben. Es geht darum, Menschen eine Anlaufstelle zu bieten, die Rassismus erleben, und gleichzeitig Nicht-Betroffene zu sensibilisieren. Welche Situationen gibt es? Welche Mechanismen greifen? Welche Lösungen sind möglich? Wir möchten konkrete Hilfen anbieten, nicht nur leere Worte. 

WIR PROFIS: Welche Art Unterstützung brauchen Betroffene? 

Otto Addo: Jeder Mensch ist anders, es gibt keine Standardlösung. Manche brauchen jemanden, der zuhört. Andere brauchen konkrete Strategien. Und auch Klubs und Verbände müssen wissen: Was können sie tun? Welche Maßnahmen helfen wirklich? Es geht darum, Lösungen gemeinsam zu entwickeln und nachhaltig umzusetzen. 

WIR PROFIS: Du hast den DFB im letzten Jahr öffentlich kritisiert. Vor allem dafür, dass Betroffene nicht ausreichend einbezogen werden. Was müsste der Verband besser machen? 

Otto Addo: Das Wichtigste ist: Nicht über Rassismus sprechen, ohne Betroffene einzubeziehen. Das ist wie Männer, die allein Regeln über Schwangerschaften festlegen würden, völlig absurd. Mich hat überrascht, dass ich seit Jahren gegen Rassismus aktiv bin, aber nie jemand vom Verband auf mich zugekommen ist. Es braucht präventive Strategien, klare Abläufe, sofortige Reaktionen. In England oder Frankreich sehen wir, dass Verbände viel entschlossener handeln. Dieses Verhalten wünschen wir uns auch vom DFB.

WIR PROFIS: Welche Rolle spielen Trainer, Schiedsrichter und Fans in der Bekämpfung von Rassismus? 

Otto Addo: Eine sehr große. Alle brauchen Schulung und Weiterbildung. Woher soll ein 15-jähriger Schiedsrichter wissen, wie er reagieren muss? Wie geht man mit Situationen um, bei denen man die rassistische Äußerung nicht klar gehört hat? Trainer machen manchmal unbewusst rassistische Bemerkungen, ohne es zu merken. Es gibt bewusste und unbewusste Formen von Rassismus, beides muss thematisiert werden. Nur Sensibilisierung schafft Veränderung. 

WIR PROFIS: Zum Abschluss: Wie wirksam könnten Fortschritte sein, wenn Verbände, Klubs und Fans konsequent handeln? 

Otto Addo: Sehr wirksam. Aber es braucht Mut, Geld und konsequentes Handeln statt nur Symbolik. Technisch wäre viel möglich: Videoaufnahmen, Auswertung, Lippenleser, klare Sanktionen. Wir haben gesehen, wie Vereine reagieren, wenn sie wirklich betroffen sind: Beim Fall Hopp wurde konsequent das Spiel unterbrochen. Das würde ich auch gerne vermehrt bei rassistischen Vorfällen sehen. Ich bin froh, dass wir jetzt im Dialog sind und Gespräche stattfinden. Das ist ein Anfang. Der Weg ist lang, aber es geht in die richtige Richtung. 

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