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Als Profi auf der Richterbank

„Manchmal wurde ich aber auch überstimmt“ 

Es ist nicht immer leicht, nach Platzverweisen und sonstigem Fehlverhalten ein gerechtes Urteil in der Sportgerichtsbarkeit zu fällen. Unterstützung erhalten die Juristen dabei von aktiven und ehemaligen Spielern, die auf Vorschlag von der VDV als DFL-Beisitzer in den DFB-Rechtsorganen vertreten sind. Ex-Profi Ralf Hauptmann war mehr als 20 Jahre im DFB-Bundesgericht am Ball und blickt nun auf seine Zeit auf der Richterbank zurück.

Für einen Richter kann es vorteilhaft sein, wenn er sich in die Situation des Angeklagten hineinversetzen kann. Ralf selbst erwischte es am 27. März 1997 beim Bundesliga-Spiel seiner Kölner in Bochum: Rote Karte in der 87. Minute und eine Sperre für das folgende Spiel gegen Duisburg. Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf dürfte der ehemalige DDR-Nationalspieler immer sehr genau hingeschaut haben, wenn er über die Rechtmäßigkeit oder das Strafmaß von Platzverweisen zu entscheiden hatte: „Es ist wichtig, dass in der Sportgerichtsbarkeit auch ehemalige Spieler als Richter beteiligt sind. Denn wir haben oft einen anderen Blick auf Spielsituationen als die Juristen und können in der Regel besser beurteilen, ob bei einem Foul Absicht vorlag oder nicht. Wenn keine Absicht vorlag, kann dies dazu führen, dass das Urteil abgemildert wird“, skizziert der ehemalige Defensivallrounder. 

Mitgefühl mit den Spielern 

Während das Strafmaß bei Foulspielen in der Regel moderat ausfällt, sehen die verbandsrechtlichen Regeln bei Dopingverstößen sehr harte Sanktionen vor. Wenn dann ein Spieler aufgrund eines unabsichtlichen Verstoßes lange gesperrt werden muss, kann dies für die Richter emotional belastend sein: „Gerade als ehemaliger Spieler fühlt man auf der Richterbank mit. Ich erinnere mich beispielsweise an einen Fall, bei dem ein Profi ein halbes Jahr gesperrt wurde, weil er – sicherlich unabsichtlich – ein Haarwuchsmittel eingenommen hatte, das einen Stoff enthielt, der auf der Dopingliste stand. Es ist hart, wenn in so einer Phase dein Vertrag ausläuft und du dich nicht zeigen kannst“, blickt Ralf zurück. 

Kampf für Gerechtigkeit 

Ein Indiz für die hohe Akzeptanz der ehemaligen Profis im Richtergremium zeigt sich an der hohen Zahl der Berufungen zu den Gerichtsverhandlungen. Ralf erinnert sich: „Insbesondere unter dem langjährigen Bundesgerichtsvorsitzenden Achim Späth war die Zusammenarbeit sehr angenehm. Er hat darauf geachtet, dass ehemalige Spieler als Beisitzer einbezogen wurden, wenn Spielszenen beurteilt werden mussten.“ Allerdings lauern auch Gefahren: „Die Anwälte versuchen oft, das Recht im Sinne ihrer Mandanten zu drehen. Darum bist du als Richter gefordert, ganz genau hinzuschauen.“ Hinter verschlossenen Türen wird nach den Verhandlungen im Richtergremium um ein gerechtes Urteil gerungen. Die Spielerperspektive kann dabei entscheidend sein: „Oft kannst du als Beisitzer mit deiner Meinung Einfluss auf das Urteil nehmen. Manchmal wurde ich aber auch überstimmt“, bilanziert Ralf. 

Werbung für richterliches Engagement 

Nach seiner Spielerlaufbahn blieb Ralf seinem früheren Klub Dynamo Dresden hauptberuflich eng verbunden, insbesondere als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und der klubeigenen Fußballschule. Sein Sohn Niklas spielt ebenfalls für Dynamo und hat Ralf erst kürzlich in der Pflichtspielstatistik der Schwarz-Gelben überholt. Nach seinem freiwilligen und berufsbedingten Ausscheiden aus dem DFB-Bundesgericht zieht Ralf ein positives Fazit: „Die Arbeit im Bundesgericht, die ich nie als Arbeit wahrgenommen habe und die immer einen Mehrwert für mich persönlich hatte, war immer sehr interessant und hat mir als ehemaliger Profi immer sehr viel Spaß gemacht.“ 

Stimme der Spieler: Ex-Bundesligaprofis in den DFB-Rechtsorganen 

Auf Vorschlag der VDV sorgen ehemalige Profis als DFL-Beisitzer dafür, dass die Stimme der Spieler im DFB-Sportgericht und im DFB-Bundesgericht bei der Urteilsfindung berücksichtigt wird. Aktuell sind folgende VDV-Vertreter im Amt: 

DFL-Beisitzer im DFB-Bundesgericht:
VDV-Präsident Carsten Ramelow 

DFL-Beisitzer im DFB-Bundesgericht:
VDV-Vizepräsident Maik Franz 

DFL-Beisitzer im DFB-Sportgericht:
VDV-Vizepräsident Chiquinho 

DFL-Beisitzer im DFB-Sportgericht:
VDV-Teambetreuer Edi Rottler 

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