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Ex-Profi Martin Meichelbeck

Psychologe aus Leidenschaft 

Martin Meichelbeck spielte mit dem VfL Bochum im Europapokal und trug beim DFB-Perspektivteam 2006 den Bundesadler auf der Brust. Nach seiner Spielerkarriere war er zunĂ€chst als Sportpsychologe und Klubmanager und dann in verschiedenen FĂŒhrungspositionen tĂ€tig, gegenwĂ€rtig arbeitet der gebĂŒrtige Bamberger selbststĂ€ndig als psychologischer Berater und Sportpsychologe in DĂŒsseldorf und ist Kooperationspartner in der Personal- und Strategieberatung bei „Sportheads“. Den Grundstein fĂŒr seine nachfußballerische Berufslaufbahn legte er bereits frĂŒh – mit einem Studium parallel zur Profikarriere. 

In der Jugend wurde Martin unter anderem beim 1. FC NĂŒrnberg ausgebildet und kam 1998 bei der SpVgg Greuther FĂŒrth zu seinem DebĂŒt in der 2. Bundeliga. Zwei Jahre spĂ€ter wechselte er zum VfL Bochum in die Bundesliga und zog unter Trainer Peter Neururer sensationell in den UEFA-Pokal ein. Nach seiner RĂŒckkehr nach FĂŒrth absolvierte er 2010 bei den KleeblĂ€ttern sein letztes Zweitligaspiel. 

Abseits des Platzes nahm Martin frĂŒhzeitig ein Studium auf: „Ich wollte parallel zum Fußball etwas fĂŒr meinen Geist tun“, erinnert sich der ehemalige Verteidiger, der zu dieser Zeit auch gelegentlich Schlagzeilen mit Auftritten als Pianist machte. Martin setzte auf eine breit gefĂ€cherte akademische Ausbildung: Soziale Verhaltenswissenschaften, Wirtschaftspsychologie, Sportwissenschaften, Sportpsychologie – stets aber mit dem Fokus auf der Psychologie. Über die Jahre sicherte er sich mehrere AbschlĂŒsse: einen Bachelor und einen Master. 

Nahtloser Übergang

Nachdem er die Fußballschuhe an den Nagel gehĂ€ngt hatte, stieg er bei den FĂŒrthern als Sportpsychologe ein. Gefördert vom damaligen PrĂ€sidenten Helmut Hack wechselte Martin dort ins Management und stieg bis zum Mitglied der GeschĂ€ftsleitung auf. Im Sommer 2020 wechselte er dann zu Borussia Mönchengladbach und ĂŒbernahm dort als „Leiter Medizin & PrĂ€vention“ eine Rolle, die zu dieser Zeit – es grassierte die Covid-19-Pandemie – zu einer der wichtigsten im ganzen Klub zĂ€hlte. „Vom medizinischen Aufwand her war die Coronazeit mit dem Hygienekonzept natĂŒrlich enorm herausfordernd. Aber sportlich gesehen war es auch eine tolle Zeit mit einer erfolgreichen Mannschaft und der Teilnahme an der Champions League“, erinnert sich Martin an seine Aufgabe am Niederrhein. 

Nach dem Weggang von Sportdirektor Max Eberl und dem anschließenden FĂŒhrungswechsel beim Klub trennte sich Martin in beiderseitigem Einvernehmen von der Borussia und gönnte sich etwas, das er in rund 25 Jahren Profifußball zuvor noch nie gehabt hatte: eine Auszeit. „Ich war einfach mal fĂŒr die Familie da. Sommerferien, Wochenenden, das hatte ich vorher nie!“ 

Neue Herausforderung 

Bei seiner persönlichen Neuausrichtung besann sich Martin auf seine Kernkompetenz: „Mein Steckenpferd war immer die psychologische Arbeit mit den Menschen.“ Folgerichtig macht er sich selbststĂ€ndig mit einer eigenen Praxis fĂŒr psychologische Beratung und Sportpsychologie. Parallel ist er Kooperationspartner von Sportheads (Personal- und Strategieberatung im Spitzensport), wo er unter anderem GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Sportdirektoren und Klubs coacht. Zu seinen Klienten zĂ€hlen darĂŒber hinaus namhafte aktive Spieler und Trainer. 

Kritik am System 

Eine Herzensangelegenheit ist es fĂŒr Martin, die sportpsychologische Betreuung im Fußball zu verbessern. Bereits als Spieler hatte er sich mit Rat und Tat bei der VDV fĂŒr dieses wichtige Ziel eingebracht. Kritisch sieht Martin weiterhin den strukturellen Umgang mit der Sportpsychologie im deutschen Profifußball. WĂ€hrend im Nachwuchsbereich mittlerweile zumindest gewisse Standards existieren, fehle im Profi-Alltag hĂ€ufig ein festes psychologisches Angebot: „Nur ein Viertel der Erst- und Zweitligisten arbeitet regelmĂ€ĂŸig mit psychologischer UnterstĂŒtzung und selbst das oft nicht strukturell verankert“, moniert er vor dem Hintergrund seines langjĂ€hrigen Erfahrungsschatzes. Hinzu komme das Problem mit „unqualifizierten Mentaltrainern“, die dem Berufsbild nachhaltig geschadet hĂ€tten.

Sportpsychologie als Chance 

Martin setzt sich dafĂŒr ein, dass die Sportpsychologie zur Grundausstattung der Profiklubs gehören soll: „Ein Psychologe sollte wie ein Physiotherapeut oder ein Arzt immer verfĂŒgbar sein. Und zwar fĂŒr Spieler, Trainer und Mitarbeiter.“ Wichtig sei auch, dass die psychologische Fachkraft ĂŒber Erfahrung, Kompetenz und ein klares RollenverstĂ€ndnis verfĂŒge: „Ich bin kein Freund davon, Psychologen ins Trainerteam zu holen. Ein offenes Angebot außerhalb der sportlichen Hierarchie halte ich persönlich fĂŒr besser.“ 

Das sehen viele Spielerberatungen offenbar Ă€hnlich und kooperieren zunehmend mit externen Psychologen wie Martin: „Ich bekomme viele Anfragen von Agenturen, die wollen, dass ihre Spieler lieber zu mir kommen als zum Vereinspsychologen.“ 

Die grĂ¶ĂŸte Baustelle bleibt fĂŒr Martin im Fußball aber das Klischeedenken: „Wir mĂŒssen weg von der Idee, dass psychologische Hilfe nur etwas mit SchwĂ€che zu tun hat. Es geht um Leistungsoptimierung, Emotionsregulation, mentale StabilitĂ€t. Die körperlichen Ressourcen sind irgendwann ausgeschöpft, die mentalen lĂ€ngst nicht.“ 

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