Weil bei uns der Spieler als Mensch zählt!
MSV-Führungsspieler Tobias Fleckstein
Die Rückkehr der Zebras
In seinen mehr als fünf Jahren beim MSV Duisburg hat Tobias Fleckstein viele Höhen und Tiefen erlebt: Pandemie, Geisterspiele, Abstieg in die Regionalliga, Wiederaufstieg und Startrekord in der 3. Liga. WIR PROFIS sprach mit „Flecki“ über die fulminante Rückkehr der Zebras, seine persönlichen Ambitionen und über stressige Klausuren.
WIR PROFIS: Tobias, aus der Schalker Jugend bist du zu Holstein Kiel gewechselt und von dort nach einem zweijährigen Gastspiel zum MSV Duisburg gegangen. Liegt dir das Ruhrgebiet mehr als die Ostsee?
Tobias Fleckstein: Irgendwie schon, wobei noch andere Dinge eine Rolle spielten: Ich war damals zwei Jahre in Kiel, habe dort aber vor allem in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gespielt. Dann kam die Möglichkeit, in die 3. Liga zu gehen und das auch noch in meiner Heimat. Ich komme aus Herne, bin in Bochum aufgewachsen. Die Gespräche mit dem damaligen Sportdirektor Ivo Grlic und Trainer Torsten Lieberknecht waren sehr überzeugend. Duisburg ist ein großer Traditionsverein, da war der Schritt für mich klar.
WIR PROFIS: In den letzten fünf Jahren hat der MSV eine regelrechte Achterbahnfahrt erlebt und viele hatten den Klub schon abgeschrieben. Was hat euch in der vergangenen Saison so stark gemacht?
Tobias Fleckstein: Am Anfang war es ein kompletter Neustart: neues Trainerteam, neue sportliche Leitung, viele neue Spieler. Wir waren quasi ein zusammengewürfelter Haufen. Aber genau daraus hat sich etwas entwickelt – ein echtes Team, mit Mentalität, mit Widerstandskraft. Wir haben zwar nicht jeden Gegner an die Wand gespielt, aber wir waren oft fitter, haben spät Spiele entschieden. Diese Konstanz über eine ganze Saison hinweg war entscheidend. Und natürlich hat das Trainerteam um Didi Hirsch großen Anteil. Er hat uns eine klare Linie gegeben und das Vertrauen geschenkt!
WIR PROFIS: Mit Geschäftsführer Michael Preetz – Ex-Nationalspieler und früherer VDV-Vizepräsident – kam im letzten Jahr ein erfahrener Mann nach Duisburg. Wie hast du diese Veränderung wahrgenommen?
Tobias Fleckstein: Ebenfalls sehr positiv! Gerade die Kombination mit unserem Trainerteam funktioniert gut. Da wird nicht nur geredet, sondern auch gemacht. Für uns Spieler ist das ein gutes Signal.
WIR PROFIS: Ihr seid nicht nur aufgestiegen, sondern auch extrem stark in die neue Saison gestartet. Wie viel davon ist noch Rückenwind aus der letzten Spielzeit?
Tobias Fleckstein: Äußerst viel: Das Team ist größtenteils zusammengeblieben, wir haben uns gezielt verstärkt und es ist eine richtige Euphorie entstanden – im Verein, in der Stadt, bei den Fans. Unsere Heimspiele sind gut besucht und wir haben auch auswärts überragenden Support. Dieses Momentum haben wir mitgenommen. Natürlich gab es immer wieder Rückschläge wie das 1:3 Mitte Oktober in München und die wird es auch weiterhin geben. Aber bis dahin hatten wir seit Januar kein Spiel mehr verloren. Das ist schon verrückt.
WIR PROFIS: Stichwort Konstanz: Du hast dich zur absoluten Stammkraft gemausert. Wie hast du das geschafft?
Tobias Fleckstein: Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen des Trainers und des ganzen Klubs. Ich kenne auch andere Zeiten: Gerade am Anfang in Duisburg habe ich nicht immer viel gespielt. Ich versuche, meinen Körper bestmöglich zu pflegen, sei es mit guter Ernährung, ausreichend Schlaf oder Regeneration. Und ich mache viel Extraarbeit im Kraftraum und auf dem Platz. Mein Körper scheint da mitzuspielen, zum Glück. Ich hoffe, das bleibt so (klopft auf Holz).
WIR PROFIS: Nun singen eure Fans „Wenn ich nachts schlafen geh‘, dann träum‘ ich von den Zebras im Europacup“. Beflügelt so eine leidenschaftliche Anhängerschaft wie die des MSV ausschließlich oder kann sie auch Druck ausüben?
Tobias Fleckstein: Nein, für uns ist das in erster Linie ein riesiger Vorteil! Duisburg ist ein absoluter Traditionsverein mit emotionalen Fans. Das spürst du in jedem Heimspiel, aber auch auswärts, wenn Hunderte oder gar Tausende mitreisen. Das pusht uns gerade in Phasen, wo es vielleicht nicht rund läuft. Ich spiele jetzt seit fast sechs Jahren hier und kann nur sagen: Das ist nicht selbstverständlich in der 3. Liga. Es fühlt sich oft nach deutlich mehr an.
WIR PROFIS: Wie geht es nach dem starken Saisonstart weiter: Was sind eure Ziele?
Tobias Fleckstein: Wir passen unsere Ziele nicht nach ein paar Spieltagen an. Unser erstes Ziel bleibt: die berühmten 45 Punkte. Das hört man oft, aber es stimmt. Und das hat sich nicht plötzlich geändert, nur weil wir oben stehen. Natürlich träumen auch wir Spieler, natürlich wollen wir möglichst lange oben mitspielen. Aber wir bleiben demütig. Ich bin selbst mit dem MSV abgestiegen, habe Regionalliga gespielt. Wir wissen, wo wir herkommen.
WIR PROFIS: Wie sieht deine persönliche Perspektive aus: Bleibst du dem MSV und dem Ruhrgebiet treu oder würde dich noch einmal eine andere Herausforderung reizen?
Tobias Fleckstein: Ich fühle mich sehr wohl hier. Die Nähe zur Familie, das Umfeld, die Menschen im Verein. Es ist kein Zufall, dass ich so lange hier bin. Aber ich bin auch ehrgeizig: Ich möchte unbedingt noch in der 2. Bundesliga spielen. Ich bin im besten Fußballalter, will viele Spiele machen und erfolgreich sein. Wenn das mit dem MSV klappt, wäre das natürlich perfekt.
WIR PROFIS: Du studierst parallel: Wie kriegst du alles unter einen Hut?
Tobias Fleckstein: Ich studiere BWL an einer Fernuni, das gibt mir viel Flexibilität. Ich kann Prüfungen online schreiben, habe keine festen Vorlesungen. Klar, du brauchst Disziplin. Es gibt keinen Professor, der dich antreibt. Ich mache das meistens nach dem Training, abends oder am freien Tag. Wenn eine Prüfung ansteht, wird es auch mal stressig. Aber ich bin bald fertig und freue mich riesig auf den Abschluss. Es lohnt sich auf jeden Fall, frühzeitig vorzusorgen!
WIR PROFIS: Du bist auch schon lange VDV-Mitglied. Welche Bedeutung hat die Spielergewerkschaft für dich?
Tobias Fleckstein: Ich finde es super, dass sich jemand für uns Spieler einsetzt! Die VDV ist gerade in schwierigen Phasen eine wichtige Anlaufstelle. Ich hatte guten Austausch mit Heinz Niggemeier und war auch schon bei mehreren Spieleversammlungen. Das sind großartige Abende, du erfährst viel und kannst dich mit Kollegen austauschen und merkst: Wir sind nicht allein. Das ist einfach eine gute Sache.
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