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Die neue Karriere des Kevin Conrad

Ein komplett anderes Leben

Als KapitĂ€n schaffte Kevin Conrad mit der SV 07 Elversberg den Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga. Mittlerweile arbeitet der 34-JĂ€hrige wieder bei seinem ersten Profiklub TSG Hoffenheim im Bereich ‚Technology & Consulting‘. Ein nahezu perfekter beruflicher Übergang – der Kevin trotzdem alles andere als leicht fiel.

„Die Umstellung habe ich gnadenlos unterschĂ€tzt“, erzĂ€hlt der ehemalige Defensivspezialist, der zum Ende der Saison 2023/2024 seine Schuhe an den Nagel hĂ€ngte. Elf Zweit-, 164 Dritt- und 178 RegionalligaeinsĂ€tze lassen sich offenbar nicht einfach so abschĂŒtteln. „Ich wusste zwar, dass das Karriereende kommt und hatte mich auch lange darauf vorbereitet. Aber die körperliche Auslastung und der tĂ€gliche Wettkampf fehlen mir total. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt die ganze Woche ĂŒber durchweg einen Puls von 80 hatte. Es ist ein komplett anderes Leben – das ist einfach so.“

GlĂŒcklicherweise hatte sich Kevin schon wĂ€hrend seiner Spielerkarriere optimal auf die nachfußballerische Berufslaufbahn vorbereitet. So absolvierte er parallel zum Fußball beim VDV-Bildungspartner Euro-FH ein Fernstudium der Wirtschaftspsychologie. Kevin: „Mir war schon als junger Spieler klar, dass eine Profilaufbahn stets von begrenzter Dauer ist und diese jederzeit durch eine Verletzung abrupt enden kann. Darum ist es wichtig, immer einen Plan B parat zu haben.“ Diese Weitsicht zahlte sich aus: „Eigentlich lief alles optimal. Ich hatte aufgrund von Knieproblemen in meinem letzten Jahr ohnehin nur noch sporadisch gespielt und mich damit abgefunden, dass meine Laufbahn sich dem Ende entgegen neigte. Eigentlich wollte ich sogar ein Jahr frĂŒher schon aufhören, aber dann sind wir mit Elversberg ‚dummerweise‘ aufgestiegen und ich habe nochmal fĂŒr ein Jahr in der 2. Bundesliga verlĂ€ngert (lacht). Naja, und letztes Jahr kam dann genau im passenden Moment das Angebot aus Hoffenheim.“

Hoffenheim: Beginn der ersten und zweiten Karriere

Der Kraichgau ist fĂŒr Kevin alles andere als Neuland. 2006, im Alter von nur 15 Jahren, zog er von seinem Elternhaus in Wendischenhof (Hohenlohekreis) zu einer Hoffenheimer Gastfamilie. Der Grund: Durch seine Leistungen in der Badischen Auswahl hatte Kevin das Interesse der TSG 1899 Hoffenheim geweckt, die gerade unter Leitung von MĂ€zen Dietmar Hopp und Trainer Ralf Rangnick mit aller Macht in den Spitzenfußball drĂ€ngte.

Zu einem Erstligaeinsatz fĂŒr die TSG kam es jedoch nie, auch, weil ihn Verletzungen wie eine komplizierte Halswirbelverstauchung oder ein dreifacher BĂ€nderriss immer wieder zurĂŒckwarfen. Die Zwangspausen nutzte Kevin unter anderem dafĂŒr, sich auf sein Abitur vorzubereiten, das er 2010 mit einem Schnitt von 1,8 erfolgreich abschloss.

Vom Talent zum FĂŒhrungsspieler

Im Sommer 2013 entschied sich Kevin fĂŒr einen sportlichen Neuanfang und wechselte in die 3. Liga zum Chemnitzer FC. Bei den Sachsen reifte er schnell zum FĂŒhrungsspieler und KapitĂ€n. 2017 zog es Kevin zurĂŒck nach Baden-WĂŒrttemberg, diesmal zum Regionalligisten Waldhof Mannheim. Mit dem Traditionsklub stieg er 2019 als KapitĂ€n in die 3. Liga auf und wechselte 2020 zur SV Elversberg, wo seine sportliche Karriere mit dem Durchmarsch von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga ihren Höhepunkt und krönenden Abschluss fand.

RĂŒckkehr nach Hoffenheim

Der Kontakt zu seiner ersten Profistation Hoffenheim war in all den Jahren nie ganz abgerissen. „Mit dem TSG-Sportpsychologen Prof. Dr. Jan Mayer stand ich immer mal wieder im Austausch, weil ich selbst Psychologie studiert habe. Auch mit Frank Kramer, der damals mein U-Trainer war und heute Sportdirektor ist, habe ich Kontakt gehalten. So kam es, dass der Klub mich gerne fĂŒr den Bereich ‚Technology & Consulting‘ einstellen wollte. Und das passte dann auch wunderbar zusammen mit meinem Karriereende sowie meinem Umzug nach KĂŒnzelsau, was nur etwa eine Stunde Autofahrt von Sinsheim entfernt ist.“

Aber was bedeutet nun ‚Technology & Consulting‘ konkret? „Im Grunde bin ich Individualtrainer und versuche, die Spieler unter Einsatz technologischer Mittel wie etwa dem Footbonauten oder Videoanalyse-Tools besser zu machen. Dazu zĂ€hlen kognitives Training, aber auch Dinge wie Orientierungs- und ReaktionsfĂ€higkeit. Beim Thema Consulting geht es vor allem darum, das ganze Wissen, was in Hoffenheim konzentriert ist – zum Beispiel bei der Talententwicklung oder der Entwicklung innovativer TrainingsgerĂ€te – nach außen zu tragen. In den USA und in Indien gibt es beispielsweise viele Interessenten fĂŒr Kooperationen. Die sagen: Wir haben eine halbe Milliarde Kinder – und keins davon kann richtig gut kicken. Mit denen wollen wir nachhaltig zusammenarbeiten; und ich bin so ein bisschen das Bindeglied zwischen den Wissenschaftlern und den Praktikern.“

Im Geiste noch Spieler

Was nicht in der offiziellen Stellenbeschreibung steht: Kevin ist außerdem ein beliebter Ansprechpartner fĂŒr Spieler, die etwas auf dem Herzen haben. Einerseits, weil er als studierter Psychologe persönlichkeitsorientiert kommunizieren kann, andererseits, weil er vor kurzem noch selbst Profi war und deshalb zu den Spielern ein besonderes VertrauensverhĂ€ltnis hat. „Eigentlich sind wir in Hoffenheim schon top ausgestattet, was Psychologen angeht. Selbst jede Jugendmannschaft hat einen eigenen Sportpsychologen als Ansprechpartner. Da sind wir schon irgendwo Vorreiter unter den Bundesliga-Klubs. Aber da ich quasi noch die Spielerperspektive habe, vertrauen mir die Jungs hier und da noch Dinge an, die sie sonst nicht sagen wĂŒrden.“

Irgendwie ist Kevin also immer noch Spieler – wenn auch nur noch mit einem Puls von 80.

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