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Alexander Iashvili 

Zwei Jungs, ein Traum – ein Märchen

Zwei Jungs aus Tiflis, seit frühester Kindheit befreundet, schaffen beide den Sprung zum Profi und prägen Seite an Seite als Spieler rund 15 Jahre lang die georgische Nationalmannschaft. Klingt zu kitschig, um wahr zu sein? Nun, im Falle von Alexander Iashvili und Levan Kobiashvili ist das erst der Anfang des Fußballmärchens … 

Zwei Jungs aus Tiflis, seit frühester Kindheit befreundet, schaffen beide den Sprung zum Profi und prägen Seite an Seite als Spieler rund 15 Jahre lang die georgische Nationalmannschaft. Klingt zu kitschig, um wahr zu sein? Nun, im Falle von Alexander Iashvili und Levan Kobiashvili ist das erst der Anfang des Fußballmärchens … 

Gelsenkirchen, 26. Juni 2024, kurz vor 23 Uhr. Soeben hat Georgien Portugal überraschend mit 2:0 geschlagen und ist damit ins Achtelfinale der UEFA Euro 2024 eingezogen. Eine Erfolgsgeschichte, die viele Protagonisten hat. Superstar Khvicha Kvaratskhelia zum Beispiel oder Top-Torjäger Georges Mikautadze. Zwei ihrer Autoren sitzen jedoch oben auf der Tribüne: Georgiens Fußballverbandspräsident Levan Kobiashvili sowie sein Jugendfreund und Vizepräsident Alexander Iashvili. 

„Dass wir uns überhaupt für das Turnier qualifiziert haben, war unglaublich“, sagt Aleksandr – so die georgische Form seines Vornamens – heute mit Blick auf den zurückliegenden EM-Sommer. „Das war das Ziel, mit dem ich 2016 meine Aufgabe als Vizepräsident begonnen habe: Erfolgreich sein, große Turniere spielen. Dass es dann ausgerechnet zur EM in Deutschland klappt, wo ich lange selbst gespielt habe, war natürlich nochmal schöner.“ 

Georgischer Breisgau-Brasilianer 

Alexander Iashvilis Deutschland-Abenteuer begann im Jahr 1997 mit einer Leihe vom georgischen Spitzenklub Dinamo Tiflis zum VfB 

Lübeck. Eigentlich sollte der damals 19-Jährige nach ein paar Monaten in die Heimat zurückkehren, doch in der Zwischenzeit hatte der SC Freiburg erfolgreich seine Fühler nach dem Mittelstürmer ausgestreckt und dabei unter anderem den FC Arsenal ausgestochen. Im Sommer 1997 wechselte Alexander zum SC Freiburg, schon bald darauf folgten ihm Levan Kobiashvili und Levan Tskitishvili, mit denen er bereits in Tiflis zusammengespielt hatte, in den Breisgau und bildeten fortan ein georgisches Super-Trio.

„Das war eine wunderbare Zeit“, erinnert sich Alex, der sich schnell in Deutschland zurechtfand, nicht nur weil er seine Landsmänner um sich hatte, sondern auch durch Support abseits des Platzes, etwa durch die VDV. „Organisationen wie die Spielergewerkschaft sind sehr wichtig. Jeder Profi sollte wissen, dass es eine Anlaufstelle gibt, an die er sich bei Problemen wenden kann – und die sich diese Probleme auch wirklich zu Herzen nimmt und alles versucht, um zu helfen.“ 

Freiburg feiert seine „Willis“ 

An Sympathie von den Rängen mangelte es ebenfalls nicht: Die Freiburger-Fans feierten Alex und ihre drei „Willis“; verpassten zeitweise beim Ausrufen der Mannschaftsaufstellung sogar jedem Spielernamen die Endung „-willi“ (nicht einmal Mittelfeldspieler Tobias Willi blieb von der Namenserweiterung verschont). 

Zehn Jahre blieb Alex beim Sport-Club und durchschritt dabei mit dem Klub auch das ein oder andere Tal, etwa die Abstiege aus der Bundesliga 2002 und 2005. Mehr als einmal in dieser Zeit wollte er wechseln, besser dotierte Angebote von anderen Klubs annehmen. Doch jedes Mal schaffte es Freiburgs Coach Volker Finke, ihn zum Bleiben zu überreden. Als Finke dann 2007 ging, ging auch Alex. Zunächst für weitere fünf Jahre zum Karlsruher SC, anschließend für eine Saison zum VfL Bochum und danach – über eine Zwischenstation in Aserbaidschan – zurück in die Heimat. 2015/2016 lief der damals 38-Jährige noch einmal eine Saison für Dinamo Tiflis auf – dort, wo die Reise begonnen hatte –, dann hängte er die Schuhe endgültig an den Nagel. 

Alexanders und Levans „Mission“ 

Die Wege mit Jugendfreund Levan Kobiashvili hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit längerem getrennt. Doch es war lediglich ein Abschied auf Zeit, denn beide hatten schon in jungem Alter eine sehr genaue Vorstellung von dem, was sie nach der Spielerkarriere tun wollten. Man könnte auch sagen: Sie hatten eine gemeinsame Mission. „Wir wollten den Fußball in unserer Heimat weiterbringen. Levan und ich hatten die guten und die schlechten Seiten des georgischen Fußballs selbst erlebt und wir wussten, was zu tun ist. Das war immer unsere Vision – und ist es immer noch.“ 

Die Stellschrauben, an denen Alex seit seinem Amtsantritt gedreht hat, sind beeindruckend vielfältig und reichen von absoluter Basisförderung wie dem Restaurieren von Bolzplätzen bis hin zu geschickter Personalakquise. So auch bei der Verpflichtung von Nationaltrainer Willy (Willy!) Sagnol, der sich für das Nationalteam und den Verband als absoluter Glücksgriff erweisen sollte.

Die ersten Blüten dieser Arbeit konnte die breite Fußball-Öffentlichkeit erstmals im vergangenen Sommer bei der Europameisterschaft bewundern. Doch das soll nur der vorläufige Höhepunkt gewesen sein: „Das nächste Ziel ist, dass wir alles versuchen, um bei der WM dabei zu sein. Es ist unser großes Ziel, hier zumindest in die Play-offs zu kommen. Das wird natürlich sehr, sehr schwer, aber es braucht immer große Ziele im Leben.“ 

Die Chancen stehen also gut, dass das Märchen von Alexander, Levan und dem georgischen Fußball noch nicht vorbei ist. 

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