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Flugangst bei Fußballprofis

Der (Alb-)Traum vom Fliegen 

Flugangst ist weit verbreitet. Aus dem Fußball sind vor allem die Schlagzeilen über einen ehemaligen niederländischen Nationalspieler bekannt, der auch zu weit entfernten Auswärtsspielen stets mit dem eigenen Auto oder dem Mannschaftsbus anreiste. WIR PROFIS sprach mit Daniel Jankowski, der viele Jahre als Berufspilot tätig war, über Wege zu einem entspannteren Umgang mit dem Fliegen. 

WIR PROFIS: Daniel, warum ist Flugangst für Fußballprofis ein relevantes Thema? 

Daniel Jankowski: Weil Spieler natürlich genauso von Flugangst betroffen sein können wie normale Passagiere. Und weil die körperlichen Symptome die sportliche Leistung beeinflussen können. Angenommen, es steht ein wichtiges Auswärtsspiel in der Champions League an, bei dem vielleicht Kleinigkeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Und dann leidet ein Spieler schon Tage vorher wegen Flugangst unter Schlaflosigkeit, wacht schweißgebadet auf und verkrampft muskulär. Das sind alles Dinge, die sich – mental und körperlich – negativ auf das eigene Spiel auswirken können. 

WIR PROFIS: Müssten Spieler, die häufig zu Auswärtsspielen fliegen, nicht aufgrund der Gewohnheit weniger von Flugangst betroffen sein als Gelegenheitsflieger? 

Daniel Jankowski: Nein, im Gegenteil. Ich weiß zum Beispiel von einem ehemaligen Bundesliga-Profi, dessen Flugangst sich aufgrund der häufigen Flüge erst im Laufe der Jahre entwickelt hat. Das liegt ganz einfach daran, dass mit der Häufigkeit der Flugreisen natürlich auch die Wahrscheinlichkeit steigt, außergewöhnliche Situationen wie beispielsweise starke Turbulenzen mitzuerleben. So etwas manifestiert sich dann und schon ist beim nächsten Flug die Angst da, dass das Ereignis wieder auftritt. Wer nur einmal im Jahr bei schönem Wetter nach Mallorca fliegt, bleibt von so etwas natürlich eher verschont als jemand, der das ganze Jahr über durch die Welt reist. 

WIR PROFIS: Welche Ereignisse haben typischerweise das Potenzial, Flugangst zu triggern? 

Daniel Jankowski: Viele Menschen mit Flugangst sagen, dass Turbulenzen für sie das schlimmste sind, was passieren kann. Häufig sind sie auch der Auslöser für Flugangst. Der Spieler, den ich eben erwähnt habe, hatte sogar mal einen Triebwerksbrand miterlebt, was für die meisten sicher eine totale Horrorvorstellung ist. Wobei so ein Triebwerksbrand für uns Piloten ein normaler Prozess ist. 

WIR PROFIS: Wie bitte? 

Daniel Jankowski: Es ist natürlich ein Zwischenfall, mit dem nicht zu spaßen ist. Aber es bedeutet keinesfalls, dass das Flugzeug jetzt sofort abstürzt. In der Regel wird in ein brennendes Triebwerk eine Löschkanone geschossen – dann ist das Ding aus und man landet einfach mit dem anderen Triebwerk. Wenn man allerdings hinten als Passagier sitzt und nicht weiß, dass es solche Sicherheitsmodule an Bord gibt, bringt einem das natürlich relativ wenig. Da bekommen viele einfach große Angst, weil es erst einmal dramatisch aussieht. 

WIR PROFIS: Können konkrete Informationen über die Sicherheitstechnik den Betroffenen also helfen, ihre Angst besser zu kontrollieren? 

Daniel Jankowski: Auf jeden Fall! Oft hilft auch eine bessere Vorstellung von dem, wie sich das Flugzeug in der Luft verhält. Turbulenzen etwa lassen sich mit einem Motorboot im Wasser vergleichen: Bei ruhigem Wetter schneidet das Boot mit Höchstgeschwindigkeit durchs Wasser, fest und stabil. Wie ein heißes Messer durch ein Stück Butter. Wenn bei gleicher Geschwindigkeit nun Wellengang herrscht, klatscht man von einer Welle in die nächste und es wird unruhig. Das ist unkomfortabel und man sollte sich anschnallen – an sich passiert aber nichts. Das Flugzeug arbeitet dagegen, da es seine Höhe halten muss. Es sei denn, der Pilot entscheidet sich, in den Sinkflug zu gehen, um möglichst schnell aus den Turbulenzen herauszukommen. Aber zu keiner Zeit besteht ernsthafte Gefahr. Kein Flugzeugbauer der Welt würde eine Maschine zertifizieren, die Probleme mit Turbulenzen hat. 

WIR PROFIS: Was hilft aus deiner Sicht als Pilot gut gegen Flugangst? 

Daniel Jankowski: In der Wissenschaft wird oft die Konfrontationstherapie, bei denen sich Betroffene schrittweise ihren Ängsten stellen, als wirksamste Methode gegen Flugangst genannt. Nach diesem Schema verfahren auch viele Flugangstseminare und Gruppenworkshops. 

Sicherheit gibt es Betroffenen sicherlich auch, wenn die einzelnen Flugphasen und Geräusche bekannt sind. Zudem darf die zwischenmenschliche Komponente nicht unterschätzt werden. Es ist tatsächlich so, dass Menschen mit Flugangst Informationen ganz anders aufnehmen, wenn sie von einem Piloten kommen. Wenn ich beispielsweise in meiner Uniform hinten in der Kabine bei den Fluggästen saß, bekam ich oft zu hören: Ach super, jetzt kann mir ja nichts mehr passieren. Aus dieser Erfahrung heraus habe ich unter anderem die App PassengerGuard mitentwickelt, die dabei helfen soll, entspannter zu fliegen. Ich fliege dann quasi als Unterstützer in der Hosentasche mit (lacht). 


MENTAL GESTÄRKT hilft! 

Bei Fragen zur psychischen Gesundheit von Leistungssportlern stehen die Experten der von der VDV mitinitiierten Initiative MENTAL GESTÄRKT an der Deutschen Sporthochschule Köln zur Verfügung. Die Anfragen werden vertraulich behandelt. Die Erstberatung per Telefon/E-Mail ist grundsätzlich kostenfrei. Im Bedarfsfall kann weitere Hilfe vor Ort organisiert werden. 

• Telefon: 02 21 – 49 82 55 40 

• E-Mail: sdmadkrogthlenset.-@elneetask 

• Website: www.mentalgestaerkt.de 

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