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Adriano Grimaldi ĂĽber seinen Klub SC Paderborn 07:

Die professionelle Familie 

Goldener Karriereherbst oder zweiter Frühling? Auf jeden Fall läuft es für Adriano Grimaldi gut, seit er vergangenen Sommer zum SC Paderborn 07 wechselte. Nach zwölf Scorerpunkten in der Vorsaison will der 33-Jährige nun an seine Leistungen anknüpfen – und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. WIR PROFIS sprach mit dem Stürmer über Saisonziele, das Besondere am SCP 07 und die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts. 

WIR PROFIS: Adriano, du hast mit dem SC Paderborn 07 einen starken Saisonstart hingelegt, bei dem ihr lange ungeschlagen geblieben seid. Habt ihr eure Saisonziele schon korrigieren müssen? 

Adriano Grimaldi: Also ein genaues Ziel haben wir nicht ausgerufen. Wir sind kein Team, was von vorneherein sagt: Wir wollen unbedingt aufsteigen. Wie jedes Jahr gehen wir erstmal ruhig an die Sache ran, wollen so früh wie möglich den Klassenerhalt klarmachen und erst dann nach mehr streben. Ich denke, wir fahren ganz gut, wenn wir uns kleine, aufeinander aufbauende Etappenziele setzen; etwa so lange wie möglich ungeschlagen zu bleiben beziehungsweise so wenig Spiele wie möglich zu verlieren. Die Herangehensweise, aus jedem Spiel, das wir nicht verlieren, mit einem coolen, positiven Gefühl zu gehen, führt dazu, dass wir von Spiel zu Spiel denken und uns nicht blenden lassen. 

WIR PROFIS: Wie sieht’s mit deinen persönlichen Zielen aus: Was hast du dir für diese Spielzeit vorgenommen? 

Adriano Grimaldi: Ich will so gut es geht an die vergangene Saison anknüpfen, denn da durfte ich echt viele Spiele machen und habe auch gut gescored. Das letzte Jahr war also relativ erfolgreich für mich und so darf es gerne weitergehen. Außerdem – toi, toi, toi – will ich natürlich gesund bleiben. Das ist sowieso immer das oberste Ziel. 

WIR PROFIS: Es ist deine zweite Saison in Paderborn. Was gefällt dir an der Stadt und dem Klub besonders? 

Adriano Grimaldi: Oh, das sind viele Dinge. Zwei Wörter, die mir sofort in den Sinn kommen, wenn ich an den SC Paderborn 07 denke, sind „professionell“ und „familiär“. Jeder grüßt hier jeden, man isst gemeinsam, trinkt zusammen Kaffee – in den unterschiedlichsten Konstellationen. Ich habe das Gefühl, dass alle auf einer Wellenlänge sind und sich gegenseitig respektieren. Hinzu kommt, dass wir ein wirklich tolles Trainingsgelände haben mit allem, was man sich nur wünschen kann. Auf allen Ebenen wird hier sehr gut gearbeitet; nicht nur Spieler und Trainerteam, sondern auch Scouts, Analysten und so weiter – ein Rad dreht sich ins andere. Da sind wir wirklich sehr gut aufgestellt und es macht Spaß, ein Teil davon zu sein. Deshalb ist der SCP nicht nur für junge Spieler eine attraktive Station, sondern auch für Spieler wie mich, die so etwas am Ende ihrer Karriere noch einmal miterleben wollen. 

WIR PROFIS: Dein Lob hat Gewicht, wenn man bedenkt, wie viele Profistationen du schon hinter dir hast. Wie kam es, dass du in den letzten zehn Jahren bei sieben Klubs unter Vertrag standest – Reiselust, Ruhelosigkeit oder einfach Zufall? 

Adriano Grimaldi: Häufig waren es wirklich Zufälle. Es war zum Beispiel mehrmals der Fall, dass ich bei einem Klub in der 3. Liga eine sehr gute Saison gespielt habe, dann den nächsten Schritt gehen wollte, indem ich bei einem Klub der 2. Bundesliga unterschrieben habe, und dann aber aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr meine volle Leistung abrufen konnte. Da musste ich dann wieder einen Schritt zurück machen und so wurde es sozusagen ein Auf und Ab, bei dem ich irgendwann für längere Zeit in der 3. Liga hängen geblieben bin. Das klingt jetzt negativ, ist aber gar nicht so gemeint! Obwohl es natürlich schöner gewesen wäre, wenn ich in der zweiten oder ersten Liga hängengeblieben wäre (lacht). 

WIR PROFIS: Das kann ja noch werden! Du siehst deine Wechsel also nicht als verpasste Chance, sondern als positive Erfahrung? 

Adriano Grimaldi: Genau! Es gibt nichts zu bereuen, oft war ich vielleicht einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort, sodass die Engagements nicht ganz so liefen wie erhofft. Aber dafür war ich in vielen Städten unterwegs, habe gefühlt ganz Deutschland kennengelernt und mit vielen tollen Spielern zusammengespielt. Teilweise mit so vielen, dass ich echt manchmal überlegen muss, ob ich diesen oder jenen Spieler jetzt persönlich kenne oder nicht. Der Fußball an sich ist halt sehr schnelllebig: Du kommst zu einem Klub, lernst in der Vorbereitung viele Jungs kennen und zwei Wochen später sind einige von denen dann plötzlich weg, dafür kommen kurzfristig wieder neue dazu. Das bedeutet zwar, dass selten richtig tiefe Freundschaften entstehen, dafür ist es aber umso schöner, wenn man regelmäßig Personen trifft, mit denen man sich über alte Zeiten unterhalten kann. Oder zu sehen, in welchen Positionen ehemalige Mitspieler mittlerweile tätig sind. 

WIR PROFIS: Apropos: Du bist jetzt 33 – in welcher Position siehst du dich nach deiner aktiven Karriere? 

Adriano Grimaldi: Darüber bin ich mir noch nicht zu 100 Prozent im Klaren. Oft denke ich, dass ich wirklich gerne im Fußball bleiben und zum Beispiel Trainer werden möchte, sei es hauptberuflich oder auch nur im Jugendbereich bei einem kleineren Klub in meiner Heimat. Es gibt aber auch Momente, wo ich einen kleinen Hänger habe und denke: Ich bin froh, wenn das Ding vorbei ist und ich etwas Abstand vom Fußball gewinnen kann. Das passiert meistens in schwierigen Phasen und ist, denke ich, auch völlig normal. Momentan bin ich allerdings total happy und hoffe, dass ich noch so lange wie möglich dabei sein kann. Deshalb denke ich aktuell noch nicht konkret über mein Karriereende nach. Was natürlich nicht heißt, dass ich mir keine Gedanken gemacht habe und mache: Einen Plan B und C für die Zeit nach der aktiven Karriere habe ich auf Lager – und kann das auch nur allen anderen Profis raten. 

WIR PROFIS: Die VDV hilft bei diesem Thema auf jeden Fall gerne. Wie ist dein persönliches Verhältnis zur Spielergewerkschaft? 

Adriano Grimaldi: Nun, ich habe nicht viel Kontakt zu euch – und das ist ja erstmal eine gute Sache (lacht). Im Ernst: Ich finde es natürlich super, dass die VDV den Spielern an ganz vielen Stellen Support anbietet, sei es im Bildungsbereich oder beim Thema Verträge. Aber bei vielen Angeboten, etwa dem VDV-Proficamp, hoffe ich natürlich, dass ich darauf nicht angewiesen sein werde. Grundsätzlich ist das aber natürlich eine super Sache. Ich erinnere mich noch, wie ich im Zuge des Insolvenzverfahrens beim KFC Uerdingen einige Telefonate mit VDV-Ansprechpartnern geführt habe und mir immer direkt und zuverlässig weitergeholfen wurde. Ich kenne auch ein paar Jungs, die wirklich in Not waren, und dann von der VDV gestützt wurden. Von daher kann ich schon einordnen, wie wichtig die Spielergewerkschaft ist, auch wenn ich mich nicht so oft bei euch melden musste. 

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