Weil bei uns der Spieler als Mensch zählt!
Die Karriere von VDV-Mitglied Florian Kringe
(Nicht) am Borsigplatz geboren
Dass Florian Kringe kein gebürtiger Dortmunder ist, mag viele überraschen. Schließlich trug er als Profi 18 Jahre lang das schwarzgelbe Trikot, spielt heute sowohl in der Legenden- als auch in der Traditionsmannschaft des BVB und arbeitet in einer Vermittleragentur mit Hauptsitz in Dortmund. Tatsächlich aber wuchs der heute 41-Jährige im 2.500-Seelen-Ort Rudersdorf im Siegerland auf und zog erst in der C-Jugend von den Sportfreunden Siegen in die weite Fußball-Welt hinaus.
„Ich war 13 und spielte damals in der Westfalenauswahl, wo der BVB auf mich aufmerksam geworden ist, insbesondere der damalige Nachwuchschef Michael Skibbe. Nach meinem Wechsel bin ich weiterhin jeden Tag die knapp zwei Stunden von Siegen nach Dortmund und zurück gefahren.“ Die Pendelei nervte irgendwann nicht nur ihn selbst, sondern vor allem den Klub. Der Vorschlag lautete daher: Florian soll einen Vertrag bei den Profis erhalten, dafür aber seinen Wohnort in die nähere Umgebung verlegen. Gesagt, getan!
Besondere Verbundenheit mit dem BVB
Die letzten zwei Jahre auf dem Gymnasium und das Abitur absolvierte Florian deshalb in Dortmund. Die ersten richtigen Schritte als Profi machte er jedoch leihweise beim 1. FC Köln, wo er zwei Jahre als Stammkraft agierte, ehe er 2004 als ’fertiger’ Spieler nach Dortmund zurückkehrte. In den folgenden Jahren zählte Florian zu den Leistungsträgern und Publikumslieblingen beim damals sportlich und finanziell angeschlagenen Revierklub. „Meine erfolgreichste Zeit fiel in eine Phase, wo es dem Verein nicht so gut ging. Das hat aber irgendwie auch für eine besondere Verbundenheit und Dankbarkeit gesorgt.“
Nichtsdestotrotz durfte Florian auch die Meisterschale und den DFB-Pokal über den Borsigplatz tragen. „Als wir 2002 Meister wurden, saß ich zwar ein paar Mal auf der Bank, habe mich aber noch nicht wirklich als Teil der Mannschaft gefühlt. 2011 und 2012 war das anders, denn da bestand das Team größtenteils aus ’meinen Jungs’, mit denen ich über Jahre zusammengespielt hatte. Auch wenn ich auf dem Platz nicht so viel mitwirken durfte, sind das unglaublich schöne Erinnerungen: Die spektakulären Spiele, der Meister-Korso durch die Stadt – so etwas ist nicht jedem Fußballprofi vergönnt.“
Wechsel ans Millerntor und Karriereende
Florians Vertrag beim BVB wurde danach allerdings nicht mehr verlängert. Seine neue Heimat fand der damals 29-Jährige beim FC St. Pauli, für den er drei weitere Spielzeiten das Mittelfeld beackerte. Im Laufe der Saison 2014/2015 signalisierte ihm sein Körper jedoch immer deutlicher, dass es Zeit wird, die Schuhe an den Nagel zu hängen. Bereits einige Jahre zuvor, während einer Ausleihe zu Hertha BSC, hatte er sich zweimal kurz hintereinander den Mittelfuß gebrochen. Nun war es die Hüfte, die ihm immer öfter den Dienst versagte, und ihn so in den Ruhestand zwang.
„Nach der aktiven Karriere musste ich mich erst einmal orientieren. Ich hatte angefangen, BWL zu studieren und auch viele Interessen abseits des Fußballs. Am Ende habe ich mich aber dafür entschieden, im Fußballgeschäft zu bleiben.“ Nicht als Trainer, wie viele seiner Profikollegen, sondern als Vermittler in der namhaften Agentur seines langjährigen Beraters Thomas Kroth. „Da bin ich jetzt seit fast acht Jahren dabei und muss sagen: Die Arbeit macht mir total Spaß! Dank ihr kann ich dem Fußball treu bleiben und gleichzeitig ein wenig sesshaft werden. Auch vor dem Hintergrund, dass ich meine Frau sowie meine beiden Söhne nicht aus ihrem Umfeld herausreißen muss, war es eine gute Entscheidung.“
Im Dialog mit der neuen Generation
In der Agentur verkörpert das langjährige VDV-Mitglied eine Schnittstellenposition zwischen Berater, Vermittler und Betreuer. Ebenso wie er als Aktiver eine Art Schnittstelle einnahm zwischen dem alten, weniger digitalen Profidasein und der neuen Spielergeneration, bei der kaum eine Äußerung oder Tätigkeit unbeobachtet bleibt. „Alles ist viel gläserner geworden, insbesondere natürlich durch Social Media. Damit muss man umgehen können, denn es gibt ja nicht nur positives Feedback. Jeder lädt dort sein Zeug ab. Insofern habe ich irgendwie eine ganz gute Zeit erwischt, weil ich ein bisschen was von beiden Welten mitbekommen habe. Ich habe gesehen, wie die sozialen Medien Einzug in den Fußball gehalten haben, von daher kann ich die Thematik ganz gut einordnen, was im Dialog mit den Spielern natürlich von Vorteil ist.“

Dass die neue Spielergeneration mehr auf sich selbst schaut, ist für Florian deshalb nachvollziehbar. Dennoch nimmt er die jungen Profis in die Pflicht, was solidarisches Engagement im Sinne der Spielergewerkschaft angeht. „Früher haben die älteren Führungsspieler die Jungen aufgeklärt, was das Thema Solidarität unter Profis angeht. Da stand es fast außer Frage, dass du anschließend deinen VDV-Mitgliedsantrag ausfüllst. Heutzutage hat sich das Selbstverständnis bei vielen ein bisschen gewandelt, was sicher auch mit Social Media und Co. zu tun hat. Wir müssen teilweise neue Wege gehen, um die Spieler zu erreichen.“
In seinem Job sieht Florian tagtäglich, mit welchen Nöten, Sorgen und Ängsten sich Fußballprofis auf der ganzen Welt konfrontiert sehen, und weiß daher: Zusammenhalt kennt keine Ligazugehörigkeit. „Es gibt Spieler, die sind eben nicht so auf Rosen gebettet wie die Top-Elite in der Bundesliga. Deshalb sollte man vielleicht zweimal darüber nachdenken, ob man sich nicht in der Gewerkschaft engagieren will. Zumal die VDV auch viele Rechte errungen hat, von denen die heutige Spielergeneration profitiert.“
Zum 15-jährigen Jubiläum wurde Florian kürzlich mit der VDV-Ehrenmedaille in Bronze ausgezeichnet. Von den heutigen Profis wünscht er sich, dass sie ihren Karriereweg weiterhin mit Demut und Gemeinschaftssinn beschreiten. „Denn davon profitieren am Ende alle.“
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