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VDV-Interview: Mehdi Benhadj-Djilali über "Zweikämpfer"

"Man darf hinfallen, muss aber wieder aufstehen!"

Zuletzt gewann die Dokumentation „Zweikämpfer“ von Mehdi Benhadj-Djilali über das VDV-Proficamp 2011 die „Goldene 11“ beim Internationalen Fußballfilmfestival „11 mm“ in Berlin. WIR PROFIS sprach mit dem Macher des Streifens über die Entstehung, Schwierigkeiten und seine Zukunftspläne.

WIR PROFIS: Mehdi, zunächst herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Filmpremiere! Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Dokumentarfilm über das VDV-Proficamp zu drehen?

Mehdi Benhadj-Djilali: Das Thema hat mich gefunden. Ich habe 2009 ein Interview mit Ulf Baranowsky in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Vorher hatte ich noch nie von dem Trainingscamp der VDV gehört, obwohl ich mich ja sehr für Fußball interessiere. Man kennt Einzelschicksale, aber vereinslose Fußballprofis, die sich – teils monatelang – zusammenschließen und sich als eine Art Mannschaft präsentieren – das fand ich wirklich ein spannendes Thema, da wollte ich mehr wissen.

WIR PROFIS: Wie haben die Verantwortlichen bei der VDV auf deine Idee reagiert?

Mehdi Benhadj-Djilali: Sie haben mich von Anfang an unterstützt. Ich wollte das Camp 2011 begleiten und habe es dafür im Sommer 2010 besucht, um zu testen, wie nah ich an die Protagonisten herankäme. Ich war sehr von der Freundlichkeit und Offenheit des damaligen Cheftrainers Uwe Fuchs und der Spieler überrascht. Ich wusste natürlich, dass das Camp erst begonnen hatte und alle noch guter Dinge waren, schnell einen Verein zu finden. Aber ich hatte auch das Gefühl, dass mit dem nötigen Vertrauen und etwas Glück ein Drehen auch in schwierigen Zeiten im Camp möglich sein könnte.

WIR PROFIS: Wie bist du von den teilnehmenden Spielern aufgenommen worden?

Mehdi Benhadj-Djilali: Die erste Reaktion war recht reserviert. Natürlich, ins Camp zu kommen, kostet die Spieler schließlich schon Überwindung – und dann zu erfahren, dass da eventuell eine Chronik des Scheiterns auf Film festgehalten wird, ist kein angenehmer Gedanke. Als Ulf Baranowsky den versammelten Spielern dann am ersten Tag mitteilte, dass ich einen Dokumentarfilm über ihre Zeit im Camp drehen wollte, hätte man die berüchtigte Stecknadel fallen hören können. Doch da niemand dagegen stimmte, war ich mir sicher: Das ist zu schaffen. Mit Respekt und einer gewissen Beharrlichkeit habe ich einen Zugang zu den Jungs gefunden und nach einigen Wochen durfte ich die Spieler selbst zum Frühstück mit den Eltern begleiten.

WIR PROFIS: Was waren für dich die herausragenden Momente während des Drehs?

Mehdi Benhadj-Djilali: Wie die Spieler es nach einer deftigen Ansprache schaffen, das Ruder herumzureißen und in der zweiten Hälfte ganz anders aufzutreten: Da kriegt man ganz nah mit, wie sehr dieser Sport auch Kopfsache ist. Oder jedes Mal, wenn ich einen der Spieler nach Hause begleitet habe: Da sitzt man mit am Tisch und merkt, dass die Situation des Spielers nicht nur für ihn, sondern für die ganze Familie zu einer existenziellen Frage wird. Denn solange der Spieler nicht weiß, wie es mit ihm weitergeht, steht die ganze Familie auf Stand-by. Arbeitsplätze, Ausbildungen, selbst Kitaplätze – nichts lässt sich planen, solange der Spieler nicht weiß, wo er landet.

WIR PROFISWas ist die Kernaussage von „Zweikämpfer“? 

Mehdi Benhadj-Djilali: Der Film zeigt das Leben und vor allem den Druck, dem Profispieler ausgeliefert sind, die nicht auf der Sonnenseite des Berufes stehen. Er zeigt, dass das Scheitern zum Leben gehört und wichtig ist, um sich weiterzuentwickeln. Die Botschaft ist klar: Man darf hinfallen, aber man muss wieder aufstehen. Auch wenn es heißt, jenseits des Platzes wieder auf die Füße zu kommen.

WIR PROFISDer Film hat eine mehrjährige Produktionszeit hinter sich. War dies von Beginn an so geplant?

Mehdi Benhadj-Djilali: Nein! Doch schon vor Camp-Schluss wurde mir klar, dass Camp-Ende nicht Film-Ende bedeuten würde. Die Geschichte der Spieler ließ sich nicht einfach in diesen drei Monaten erzählen. Außerdem gab es Ereignisse wie den Besuch eines Spielervermittlers, der Spieler für Vietnam suchte und einige meiner Protagonisten rekrutierte – da wollte ich dran bleiben.

WIR PROFISWie wird die Vermarktung des Films nun weitergehen?

Mehdi Benhadj-Djilali: Der Film ist auf mehreren Festivals eingeladen worden. Durch die empathischen Reaktionen von Presse und Zuschauern sind Bundesliga-Vereine auf ihn aufmerksam geworden und haben uns kontaktiert. Deshalb werden wir in den kommenden Wochen Erst- und Zweitliga-Vereine besuchen und den Film dort im Nachwuchs- aber auch im Profibereich zeigen. Parallel bereiten wir den Kinostart sowie eine Veröffentlichung auf Video on Demand und DVD vor. Wer neugierig geworden ist: Auf www.zweikaempfer.com kann man den Trailer des Films sehen, und alle, die den Film nicht verpassen wollen, halten wir auf Facebook auf dem Laufenden.

WIR PROFISDürfen wir uns in der Zukunft auf weitere Fußballfilme von dir freuen?

Mehdi Benhadj-Djilali: Ich arbeite tatsächlich schon wieder an einem neuen Projekt, wo Fußball durchaus eine Rolle spielt. Wir stehen da noch ganz am Anfang, aber versprochen: Es wird diesmal keine fünf Jahre dauern.

Mehr Infos zum Film "Zweikämpfer" gibt’s hier!

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