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Meldestelle Sportmanipulation Anfang Mai gestartet

F√ľr einen sauberen Sport

Anfang Mai wurde im Rahmen der sechsten Sitzung der ‚ÄěNationalen Plattform zur Bek√§mpfung der Manipulation von Sportwettbewerben‚Äú die unabh√§ngige ‚ÄěMeldestelle Sportmanipulation‚Äú er√∂ffnet. Wir sprachen mit Rechtsanwalt Prof. Dr. Rainer Cherkeh √ľber die Abl√§ufe und Aufgaben der Meldestelle.

WIR PROFIS: Wie ist die Meldestelle entstanden und was sind ihre Kernaufgaben?

Rainer Cherkeh:¬†Die Manipulation von Sportwettbewerben stellt eine der gr√∂√üten Bedrohungen f√ľr die Integrit√§t des Sports dar und schadet der Glaubw√ľrdigkeit, Transparenz und Fairness von Sportwettbewerben. Die¬†Meldestelle Sportmanipulation¬†wurde auf Grundlage der von der Bundesrepublik Deutschland gezeichneten Macolin-Convention eingerichtet (√úbereinkommen des Europarates zur Bek√§mpfung der Manipulation von Sportwettbewerben, Artikel 7), die darauf abzielt, derartige Manipulationen zu verhindern, aufzudecken und zu bestrafen.

In Erg√§nzung zu den vorhandenen Angeboten des organisierten Sports besteht nun ein weiteres, unabh√§ngiges und niederschwelliges Hinweisgeber-System (technisches System u. Meldestelle) f√ľr Straftatbest√§nde des Sportwettbetruges, der Manipulation von Sportwettbewerben sowie korrespondierender sportrechtlicher Regelungen. Die Meldestelle ‚Äď im staatlichen Auftrag inhaltlich umgesetzt durch unsere¬†Rechtsanwaltskanzlei¬†verf√ľgt √ľber umfassende Erfahrung und Expertise im Sportrecht und Sportstrafrecht sowie √ľber profunde Kenntnisse der Strukturen des organisierten Sports, was f√ľr die Umsetzung dieser Aufgabe unerl√§sslich ist.

Strategische Ziele der Meldestelle sind:

  • Erh√∂hung des Hinweisaufkommens
  • Reduzierung/ Verhinderung der Manipulation von Sportwettbewerben
  • Beitrag zu einer st√§rkeren Strafverfolgung im Bereich Match-Fixing
  • St√§rkung der Integrit√§t im Sport.

WIR PROFIS: Wie muss man sich die Arbeit der Meldestelle genau vorstellen?

Rainer Cherkeh:¬†Der Hinweisgeber hat grunds√§tzlich drei Wege, seine Nachricht abzugeben; in die daf√ľr erforderliche Umgebung gelangt er bspw. √ľber die Internetseite¬†meldestelle-sportmanipulation.de¬†oder √ľber einen QR-Code, den er √ľber andere Publikationen zur Kenntnis genommen hat:

(1) Er gibt seine Meldung vollst√§ndig anonym in der gesicherten technischen Umgebung ab und nutzt nicht die M√∂glichkeit, eine Postbox f√ľr sp√§tere R√ľckfragen einzurichten. Er kann dann nicht mehr kontaktiert werden, selbst aber auch nicht mehr unmittelbar nachfragen oder Informationen nachreichen.

(2) Er geht wie im ersten Punkt geschildert vor, nutzt aber die M√∂glichkeit der Postbox. In beiden F√§llen bleibt er vollst√§ndig anonym, sofern er das w√ľnscht und keine weitere Erreichbarkeit angegeben hat.

(3) Er umgeht bewusst die technische Umgebung, um sich unmittelbar bei unserer Rechtsanwaltskanzlei zu melden und sich dort telefonisch, schriftlich oder pers√∂nlich beraten zu lassen. Auch diese M√∂glichkeit wird ihm √ľber die o.g. Kan√§le aufgezeigt.

Ergibt sich aufgrund der Meldung eines Hinweisgebers der Verdacht einer Straftat, so wird dessen Meldung, wenn er dem zugestimmt hat, seitens unserer Kanzlei aufgrund des staatlich erteilten Auftrags den Ermittlungs- und Strafverfolgungsbeh√∂rden √ľbermittelt. Sollte sich aus der Meldung kein Verdacht auf eine Straftat ergeben, diese aber werthaltig erscheinen, wird der Hinweis, wenn der Hinweisgeber dazu sein Einverst√§ndnis erkl√§rt hat, an den zust√§ndigen Sportverband weitergegeben. Dort k√∂nnte dann z.B. eine sportrechtliche Sanktionierung des Versto√ües erfolgen. Ohne explizite Zustimmung des Hinweisgebers werden Meldungen nicht weitergegeben, an niemanden.

WIR PROFIS: Welche Meldungen können abgegeben werden?

Rainer Cherkeh:¬†Es k√∂nnen Meldungen zu Sportwettbetrug und Manipulationen von sportlichen Wettbewerben ‚Äď d.h. zur Einflussnahme auf den Verlauf eines sportlichen Wettbewerbs (Sportveranstaltung im Inland oder im Ausland) ggfs. in Verbindung mit einer darauf platzierten Wette ‚Äď abgegeben werden. Beispiele:

  • Einflussnahme auf einen Fu√üballspieler gegen Geldzahlung, damit seine Mannschaft ein Ligaspiel verliert
  • Bestechung eines Tennisspielers, damit dieser ein Match verliert ‚Äď Platzierung einer entsprechenden Sportwette
  • Einflussnahme auf einen Spieler der Regionalliga, der gegen die Gew√§hrung eines Vorteils verspricht, deutlich unter seinem Leistungsverm√∂gen zu bleiben und z.‚ÄČB. das Erzielen eines Gegentores durch ein Foulspiel im Strafraum zu unterst√ľtzen
  • Einflussnahme auf einen Trainer, damit dieser zugunsten des Wettbewerbsgegners bewusst schw√§chere Sportler im Wettbewerb einsetzt
  • Einflussnahme auf einen Wertungsrichter, sich in einem Wettbewerb f√ľr ein besseres Ergebnis eines bestimmten Sportlers oder einer bestimmten Mannschaft einzusetzen
  • Einflussnahme auf einen Schiedsrichter, damit dieser zugunsten einer Mannschaft vermehrt rote Karten bei dem Wettbewerbsgegner erteilt.

 

WIR PROFIS: Wie wird das Angebot bislang angenommen?

Rainer Cherkeh:¬†Die Meldestelle Sportmanipulation erf√§hrt seitens der Sportverb√§nde gro√üen Zuspruch. Viele auch gro√üe Verb√§nde verweisen bereits jetzt in ihren Medien auf dieses Angebot, was f√ľr eine effektive Umsetzung in der Praxis unerl√§sslich ist. Denn zun√§chst m√ľssen die Zielgruppen, also die potentiellen Hinweisgeber - Sportler, Trainer, Schiedsrichter usw. -, auf diese M√∂glichkeit der gesch√ľtzten Abgabe von Hinweisen zu Sportwettbetrug und der Manipulation von sportlichen Wettbewerben aufmerksam gemacht werden. In dieser noch fr√ľhen Phase nach dem Start der Meldestelle ist es wichtig, dass dieses sportart√ľbergreifende Angebot im organisierten Sport verbreitet wird ‚Äď auch bezogen auf den Fu√üball bis hin zu den untersten Spielklassen. Denn leider wird auch dort manipuliert.

WIR PROFIS: Soll/kann man sich auch melden, wenn nur der Verdacht eines Betrugs vorliegt?

Rainer Cherkeh:¬†Ja, in jedem Fall. Und wenn man sich nicht sicher ist, wie ein Sachverhalt einzuordnen ist oder ob √ľberhaupt ein Fall von Sportmanipulation vorliegt, ist die Meldestelle ebenfalls die richtige Anlaufstelle. Der Hinweisgeber wird dann entsprechend beraten und aufgekl√§rt. Auch insoweit ist die jahrelange berufliche Erfahrung unserer Kanzlei im Sportrecht und Sportstrafrecht f√ľr den Hinweisgeber eine wichtige Unterst√ľtzung.

WIR PROFIS: Wie werden die Nutzer des Meldesystems (also die Hinweisgeber) gesch√ľtzt?

Rainer Cherkeh:¬†Im Zuge der Meldungsabgabe innerhalb des BKMS¬ģ Systems werden keinerlei Daten erfasst, welche R√ľckschl√ľsse auf den Meldenden zulassen. Weder IP-Adressen, Cookies, Geodaten noch sonstige Informationen werden getrackt. Somit erm√∂glicht das System eine technisch vollst√§ndig anonyme Meldung, sofern durch den Hinweisgeber gew√ľnscht. Diese Tatsache wird durch unabh√§ngige IT-Dienstleiter regelm√§√üig √ľberpr√ľft und best√§tigt und ist u.a. ein Grund, warum das BKMS¬ģ System bei vielen √∂ffentlichen Stellen bereits seit vielen Jahren erfolgreich im Einsatz ist.

Hinzu kommt, dass nur eine Rechtsanwaltskanzlei dem Hinweisgeber hinreichend Schutz bieten kann. Dies ist begr√ľndet in der berufsrechtlich verankerten und zugleich strafbewehrten anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht, dem anwaltlichen Zeugnisverweigerungsrecht und dem grunds√§tzlichen Verbot einer Beschlagnahme anwaltlicher Akten. Genau deshalb kann ein Hinweisgeber der anwaltlichen Meldestelle berechtigt hohes Vertrauen entgegenbringen.

WIR PROFIS: Wie unterscheidet sich die Meldestelle vom Ombudsmann der Fußballverbände?

Rainer Cherkeh:¬†Bisher existiert kein unabh√§ngiges Hinweisgebersystem f√ľr Manipulation im deutschen Sport. Vereinzelt verf√ľgen Sportverb√§nde, wie von Ihnen angesprochen, √ľber verbandsbezogene Meldestellen oder Ansprech-/ Ombudspersonen. Gleichzeitig besteht nach Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern bei potentiellen Hinweisgebern kein uneingeschr√§nktes Vertrauen in Meldekan√§le des organisierten Sports. Es bedarf daher einer Anlaufstelle, die fachlich unabh√§ngig und vor allem losgel√∂st von Verbandsstrukturen, Interessengruppen oder staatlichen Stellen arbeitet. Diese wichtige L√ľcke wird mit der Meldestelle Sportmanipulation geschlossen. Durch sie wird im Ergebnis ein staatlich gef√∂rdertes Angebot der zertifizierten, anonymen Kontaktaufnahme geschaffen, welches bestehende Systeme des Sports in diesem Themenfeld erg√§nzt. Selbstverst√§ndlich steht es potentiellen Hinweisgebern im Rahmen ihrer individuellen Wahlfreiheit weiterhin offen, sich an Angebote des organisierten Sports zu wenden. Die Meldestelle Sportmanipulation ist hingegen allein im staatlichen Auftrag und f√ľr die Interessen des Auftraggebers (Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das BMI) t√§tig, also komplett unabh√§ngig von Sportverb√§nden oder sonstigen Dritten. Dies ist der zentrale Unterschied zu den vom Sport bislang bereits beauftragten Meldestellen.

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